Frauen und Autos

Frauen und Autos

Nicht nur das männliche Geschlecht kann romantische Gefühle für PS und bestimmte formschöne Karosserien aufbringen. Da schwärmt mir die Lieblingstochter heute, nachdem sie das Staffelfinale einer bestimmten Serie geschaut hat, davon vor, wie sehr sie doch das treue Gefährt der beiden Serienhelden in der gesamten Staffel vermisst hat. Und Tränen in den Augen hatte, als selbiges am Ende der Folge wieder auf die Strasse durfte. Meinen Einwand, dass das Teil ja dreimal so alt wäre, wie sie selbst, ignorierend, himmelt sie weiterhin diesen amerikanischen Traum an, der anscheinend, seitdem er auf dem Markt ist, Höhen und Tiefen mitgemacht hat, wenn man Wikipedia Glauben schenken darf.

Und da waren sie wieder, die Helden der Strasse meiner Kindheit: der Pickup des unknown Stuntman und auch K.I.T.T. , der intelligente und sprechende Pontiac Trans M. Letzteren hätte ich mir wirklich gewünscht, als mein Fahrlehrer mich eine volle Stunde auf einem Parkplatz das Rückwärtsfahren üben ließ. Angeblich nur zu meinem eigenen Besten – pah.

Den besten Ratschlag erhielt ich schon in der ersten Fahrstunde: „ …und denk nicht soviel, die andern haben auch Bremsen…“, wahrscheinlich ein Tipp, den er jedem Mädchen gab, weil die ja so wahnsinnig vorsichtig sind. Er kannte mich noch nicht. Im Laufe der Zeit stellte sich dann heraus, dass nicht Geschwindigkeit, sondern eher das Gegenteil davon, zu meinen Schwächen zählte.

Obwohl mir, bevor ich auf die Strasse gelassen, Langsamkeit geimpft wurde, mußten dann doch einige kleinere Mauern, Zäune und Hecken Collateralschäden verzeichnen – ausschließlich beim Ausparken. Die natürlich ausschließlich auf das Konto des zwar robusten, aber alten und somit ohne Servolenkung ausgestatteten 3er BMWs gingen. Der hat das alles sauber weggesteckt. Ich kann ihn förmlich Grinsen sehen, wenn ich mich erinnere, an den Abend, an dem ich mit einem Kollegen zu einem Termin unterwegs war und polizeilich gestoppt wurde – die wollten nur meinen Beifahrer retten. Angeblich hätte ich mit strammer (aber noch zulässiger) Geschwindigkeit und mit nur einem Hauch von Abstand seitwärts parkende PKWs passiert.

Anders sah das Ganze aus, als ich dann Beifahrer in selbigem Gefährt war. Für eine gute Stimmung innerhalb einer Beziehung, habe ich schon früh erkannt, ist es von Vorteil, dem männlichen Part das Steuer zu überlassen und nur durch winzige Bemerkungen Kurskorrekturen vorzunehmen, wie zum Beispiel auf einer sehr langen und sehr geraden Allee kurz vor dem zu erreichenden Ziel. Durch die ausgedehnte Fahrtzeit brauchte mein Make up eine kleine Auffrischung. Warum der Kerl an meiner Seite das Handschuhfach abgeschlossen hatte, weiß ich bis heute nicht. Blöd nur, dass wir in Zeitnot waren und benötigte Utensilien unter Verschluß.

Was tut also der kompetente Mann an meiner Seite?

…bei einer Geschwindigkeit von ungefähr 110 km/h…

  1. Zündschlüssel rausziehen (Auto rollt ja weiter, Nääää)
  2. rüberbeugen, um ihn ins Schloß des Handschuhfaches zu stecken (is ja logisch, Näää)
  3. wieder auf die Strasse zu gucken (mann ist ja ein vorbildlicher und sicherer Fahrer, Nää)
  4. um dann festzustellen, dass man gerade das Lenkrad um einige Grad bewegt hat und das Lenkradschloß eingerastet ist – mit einer nun etwas schräg gestellten Reifenausrichtung und unpassend zu einer geraden Strasse (Nä….)
  5. BREMSEEEEEEEEEEEENNNNNNNN (N……….)

Als Beifahrer natürlich auch – bringt nur nicht soviel. Wir, nein ich und meine Fahrzeugseite kamen dann 0,5 Meter vor einem Baumstamm zum Stehen. Im Fahrzeuginnern gab es einen 2stimmigen Lachflash, im Außen einen heftigen Bremsplatten. Sowas zu beheben kostet nur etwas Geld, robuste Nerven und Galgenhumor.

Womit derselbe Mann einige Jahre später dann mitten auf der Autobahn eine Taube gegen die Windschutzscheibe und eine in den Kühlergrill karmamäßig verdient hat, kann ich wirklich nicht sagen. Ich hätte es nur vorgezogen, nicht mit dabeizusein. So eine blutverschmierte Scheibe steht keinem Turbo und gegrillten Vogel mochte ich danach auch nicht mehr.

Den Turbo selbst habe ich auf den wenigen Fahrten, die ich mit ihm hatte, sehr genossen. Schnurrte leise wie eine Katze, ich fühlte mich sicher wie in einem Panzer und gleichzeitig gehörte dieses Teil von Geburt an auf die linke Spur…dazu Sonne und laute Musik, besser geht’s nicht.

Doch, es geht, die nächste Liebe ist schon längst am Start: ein kleiner schwarzen Flitzer mit wunderschönen Augen und angenehmer Form, der nur mir ganz allein gehört. Der Kleine hat nicht soviele PS, bringt mich dafür aber sicher überall hin und passt in fast jede Parklücke. Und die schwarzen Fußmatten mit den rosa Schmetterlingen sind mein kleines Geheimnis 😉

Und jetzt: Lautsprecher auf 100%

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27 Gedanken zu “Frauen und Autos

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