Erste Male: First Time Tag #2

Erste Male: First Time Tag #2

Zitat aus „Das große Los“ von Meike Winnemuth: „Ein alter Kollege fragt in Interviews gern: Wann war das letzte Mal, dass sie etwas zum ersten Mal getan haben?“ Etwas Neues ins Leben zu lassen, Anfänger in einer Sache zu sein, ist die schönste Form von Adrenalin, die ich kenne.“

Diese Erfahrung suche ich seit fast 2 Jahren mindestens einmal im Monat. War ich am Anfang noch ganz vorsichtig und zaghaft mit wirklich ganz kleinen Schritten unterwegs, wie z.B. das 1. Mal eine Jeans kaufen, die wirklich sitzt und ich rede hier vom „geiler Hintern“-Sitz, so führte mich das Projekt unter anderem, alleine für 3 Tage in eine mir vollkommen fremde Stadt, ich ging slipless in die Kirche und – ja, fing ganz alleine diesen Blog an. Wer mich kennt, weiß, dass das meinerseits mit einigen Hemmungen verbunden ist. Wobei mir eine gewisse Zeitlang gar nicht klar war, dass „erste Male“ ein Projekt wird. Es verkürzte mir aber ungemein langweilige Monate mit noch langweiligerer Arbeit auf ein erträgliches Maß. Und der Adrenalinschub war auch nicht zu verachten…Glücksgefühle pur und zum Nachmachen unbedingt empfohlen.

First Time Tag #2

Ein Erlebnis der ganz anderen Art als den First Time Tag #1 bescherte mir der Monat August. Dass ich das erste Mal in meinem Leben mitten im Sommer von einer Grippe erwischt wurde, war schon Zufall genug. In ebenjener Woche bekam ich – warum auch immer – mein altes Tagebuch in die Finger. Die Einträge darin lösten eine unglaubliche Heiterkeit aus, wie das eben so ist, wenn man sein altes Ich von 13, 14 oder 17 Jahren aus der Ferne betrachtet. Mit alten Fotos geht es mir genauso, nur dass ich mich beim Betrachten von Fotos oft gefragt habe, was in jenem Moment in mir vorging, wieso ich mir diese furchtbare Frisur habe verpassen lassen oder ob ich denn klamottentechnisch wirklich so danebengreifen mußte.

Nach einer Woche zuhause wurde mir aber langweilig und auch, wenn die Grippe noch spürbar war, beschloss ich mein Glück wieder in der täglichen Arbeit zu suchen. An ebenjenem Montag erschien dann ein Post der clubkinder auf FB, dass noch jemand als Ersatz gesucht wird, der am Freitagabend vor jungen Erwachsenen aus seinem Tagebuch vorliest, weil der ursprünglich geplante Mensch leider krank geworden wäre. Ich kommentierte daraufhin nur kurz, dass ich mein altes Tagebuch zwar gefunden hätte, aber nicht mehr zu den jungen Erwachsenen zu rechnen wäre. Daraufhin bekam ich ein „Like“ und vergaß den Eintrag wieder – bis zum Ende der Woche, genauer bis Freitagnachmittag.

Da meldete sich dann der „Vater der clubkinder“ bei mir, weil ich nach 3 weiteren Ausfällen in der Woche die Veranstaltung vor der Absage retten könnte. 4 – 5 Vorleser sind an so einem Abend vonnöten, ohne mich wären es in jenem Moment 3 gewesen. Natürlich sagte ich zu und googelte hinterher erstmal, auf was genau ich mich da eingelassen hatte. Diese Veranstaltung findet nur 3mal im Jahr statt und ich hatte es bis dato noch nicht geschafft als Zuschauer dabeizusein.

Geschockt las ich, dass schon über 300 Gäste zugesagt hatten. Oh mein Gott, worauf hatte ich mich da eingelassen ?

Vorlesen konnte ich einigermassen, schließlich hatte ich den Kids über Jahre hinweg sämtliche HP-Bände vorgelesen. Das Reden vor etwas mehr Menschen war für mich zwar immer mit etwas Aufregung verbunden, aber machbar. Gut, das letzte Mal vor soviel Menschen war sicher schon 25 Jahre her, also zur Schulzeit.

Egal, viel Zeit zum Nachdenken blieb sowieso nicht, ergo:

EINFACH SPRINGEN !!!

Schnell nach Hause, umziehen, einen Kaffee auf dem Balkon und mit ein paar bunten Papierzetteln Textstellen markiert, dann wieder zurück Richtung Stadt und auf dem Weg selektiert und sortiert. Ca. 12 Minuten waren vorgesehen für den launigen Vortrag, der sich natürlich um Jungs, Jungs, Mathe, den Mathelehrer, Jungs und die große Liebe drehte.

Nach einem kurzen Hallo und Gespräch mit dem Moderator 😉 konnte ich den Abend bis zur Pause als Zuschauer genießen. Ich fieberte mit der wundervollen Sarah mit, bei der es nicht um viele Jungs (wie bei mir) sondern nur und immer wieder um einen bestimmten Jungen ging, konnte mit der einzigartigen „Elvis“ mitfühlen, die ihrem Idol schon sehr früh so nah wie nur möglich sein wollte und das in einem kleinen österreichischen Dorf und wurde von Hainas Superhelden-Comic-Zeichnungen (seines 11jährigen Ichs) vor Lachen vom Stuhl gehauen.

Nach der Pause, in der meine Herzfrequenz dann doch etwas anstieg, durfte ich dann nach einer tollen Anmoderation rauf auf die Bühnenbretter und ran ans Mikro. Glücklicherweise konnte ich im Scheinwerferlicht nicht soviel vom Publikum erkennen. Es reichte, zu spüren , dass da sehr sehr viele gutgelaunte Menschen gespannt warteten, was ich zu erzählen hätte. Was soll ich sagen, es hat mir genausoviel Spass gebracht, wie dem Publikum: viel Gelächter (glücklicherweise an den richtigen Stellen), ein Running Gag, der mir gar nicht bewußt war, sorgte für zusätzliche Lachsalven und ein Bombenapplaus nach 20 statt der geplanten 12 Minuten. Den Rausch dabei kann ich nicht beschreiben, da müssen soviel Endorphine ausgeschüttet worden sein, dass es für eine ganze Woche reichte. Es war ein tolles Gefühl, mich getraut zu haben, einfach gesprungen zu sein, auch wenn es einigermaßen wahnwitzig war. Das war ein Funkensprühen der ganz anderen Art.

An dieser Stelle nochmals ein Danke für das Möglichmachen dieser tollen Erfahrung an die clubkinder und ihren Papa. Wichtig zu erwähnen, dass an diesem Abend gut 1250 Euro für den Lesewelt Hamburg e.V. gesammelt wurden.

Am 19.Dezember findet man mich übrigens – diesmal unter den Zuschauern – der 16. clubkinder Tagebuchlesung . Ich freu mich drauf.

 

 

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13 Gedanken zu “Erste Male: First Time Tag #2

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