Der Mantel

Der Mantel

 

Dies ist mein Beitrag zum Textprojekt des Wortmischers (siehe hier) zum Thema „Kleidung“.

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Die Brombeerranke verfing sich in ihrem Mantel. Das hielt sie nur kurz auf, fluchend riss sie sich los und hastete weiter. In letzter Sekunde sprang Anna in den Zug und ließ sich auf einen freien Sitz fallen. Den Mantel legte sie ab, hier war sowieso jeder mit sich selbst beschäftigt und niemand würde sie beachten oder gar ansehen. Sie starrte aus dem Fenster und wußte, dass dieser Tag wie alle anderen vorher ebenso wie die Landschaft draußen an ihr vorbeifliegen würde, ohne auch nur von Bedeutung zu sein.

 

Seit er nicht mehr da war.

 

Nur der Mantel war ihr geblieben und die Erinnerungen dazu. Sie meinte, immer noch seinen Geruch wahrnehmen zu können. Dazu stellte sie sich vor, wie er sie umarmte, sie einhüllte und so unsichtbar machte für all die Menschen um sie herum. Anna fühlte sich beschützt und sicher in dieser Umarmung. Die Vorstellung ließ ihr jetzt Tränen über die Wangen laufen, die sie schnell abwischte, damit niemand seltsam berührt herüberschauen konnte.

 

Um sich abzulenken, begutachtete sie den Mantel: der Riß war lang und schräg. Nicht, dass es sie stören würde, aber er fiel auf. Da würde sie heute Abend eine Menge Zeit investieren müssen. Das Loch im Tascheninnenfutter, durch das das Kleingeld so gern verschwand, könnte sie dann auch gleich flicken. Und den leicht abgelösten Schulterriegel befestigen, den fehlenden unteren Knopf ersetzen und…

Mit steigendem Entsetzen nahm Anna wahr, dass ihr liebstes Kleidungsstück wirklich sehr abgetragen aussah.

 
Aber es war doch erst gestern passiert, gestern vor 5 Jahren…

 

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43 Gedanken zu “Der Mantel

    1. Moin Jules,
      ich hab dem Wortmischer den Link dagelassen im Kommi, so wie er das möchte… sollte also funktionieren 😉 danke für Dein Bemühen 🙂

      Ganz lieben Dank für Deine Worte zum Beitrag. Ich wollte was ausprobieren und denke, dass mir das gelungen ist: ohne zuviele Details und Beschreibungen das Kopfkino des Lesers anregen 😉
      Liebe Grüße und mal sehen, ob ich am WE noch was über H wie Halterlose hinkriege *grins*

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  1. (Ich versuche das jetzt nochmal hier mit dem Kommentieren, nachdem ich alle Cookies gelöscht habe:)

    Also, ich bedanke mich sehr, sehr herzlich für die schöne Mantelgeschichte. Ich mag Texte, die sich mehr oder weniger oberflächlich an Gegenständen aufhängen, aber tatsächlich von ganz anderen Dingen handeln. – Sehr schön, wirklich.

    (Und glauben Sie nicht, dass ich die Ankündigung der haltlosen Halterlosen überlesen hätte!)

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      1. „He, Siedu, g’hört der Dackel Eana-Dei?“, hat schon Karl Valentin einst versucht, im Dickicht der deutschen Höflichkeitsformen Fuß zu fassen. (Das war sogar noch vor meiner Zeit, man möcht es gar nicht glauben, oder?)
        Ansonsten hab ich es natürlich nicht so gemeint. VIelleicht sollte ich mich mal kommunikationstechnisch verjüngen und das allgemeine Du in meinem Blog ausrufen. Nicht dass mich mal jemand für eine Mumie hält und an der Museumspforte als Fundstück abgibt.

        Und mach jetzt mal hinne mit den Halterlosen. Mein Timer tickt schon bis Montag!

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        1. „HETZ mich nicht!“ pflegt die beliebte Figur eines Sascha Grammel dazu zu sagen, der Halterlose so gar nicht stehen würden. Wie erwähnt, wird das am Wochenende mein Zeitvertreib sein …bis dahin will ich eine witzige, funkensprühende und alles in den Schatten stellende Videobewerbung fertigstellen. Ich erwähne das mal, weil ich davon zwar keine Ahnung hab, aber den Job unbedingt will, der damit verbunden ist ;-). Also sorry, dass das nicht schneller geht, lieber Wortmischer 🙂
          Hab einen schönen Abend, liebe Grüße aus dem Norden
          Andrea

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    1. Hallo Herr Wortmischer, jetzt haste aber nicht schön gemischt 😉 …Bist Du so nett und stellst meinen Beitrag unter „lunarterminiert“ ein …die Andrea mit dem laaaangen Nachnamen kennt doch niemand im Blogland. Dankeschööön

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