Abenteuer Leben

Abenteuer Leben

Vorwarnung: Dieser Text ist nicht geeignet für Schwangere oder empfindliche Gemüter !

Wir kommen alle auf unterschiedliche Art und Weise auf diese Welt. Die einen zu früh, die anderen zu spät, einige nach Lehrbuch und andere im Chaos. Und in Ausnahmefällen so schnell, dass es schon Geburten in Autos und Flugzeugen gab. …aber irgendwann sind wir alle hier gelandet. Der Erkenntnisstand um eine Geburt hat sich weiterentwickelt und sicher gab es in vorherigen Generationen längst nicht soviele aufgeklärte werdende Mütter und Väter.

Da platzte doch meiner Oma vor 65,5 Jahren noch während der Arbeit auf dem Acker die Fruchtblase und mit dem Pferdefuhrwerk ging es in die 20 km entfernte Stadt zum Entbinden ihres ersten Kindes. Was genau währenddessen mit ihr passierte, wußte sie sicher nicht. Einzig die Beobachtungen der Hoftiere werden ihr Anhaltspunkt gewesen sein und die Sicherheit, dass viele Frauen vor ihr Selbiges überstanden hatten. Beide – meine Oma und mein Vater –  hatten …Glück, denn in den Erzählungen meiner Oma spielte das Wort „Verwesungsgeruch“ dazu eine wichtige Rolle.

Da gewinnt der bäuerliche Ausspruch Raus kommen sie irgendwie alle eine noch etwas andere Bedeutung.

Ähnlich dramatisch war meine Entbindung: der Tank des zur Verfügung gestellten Fahrzeugs war schon beim Start auf Reserve, aber irgendwie reichte der Sprit noch bis vor die Krankenhausauffahrt. Das Abenteuer für meinen Vater war damit beendet, für meine Mutter begann es da erst. Sie berichtet rückblickend von einem Massaker, das einer Schweineschlachtung in nichts nachstand, und obwohl sie gern zu Übertreibungen neigt, glaube ich ihr diese Schilderung unbesehen, weil die Kampfspuren noch heute sichtbar sind.

Und hätte ich vor 20 Jahren Kenntnis davon gehabt, dass es ärztliche Empfehlungen gab, die von einer Schwangerschaft meinerseits abrieten…keine Ahnung, wie ich mich entschieden hätte. Gerade weil mir aber heute bewußt ist, dass es auch anders hätte ausgehen können, bin ich froh, über meine 2 Geburten nach Lehrbuch. Auch wenn diese sehr temperamentvoll abliefen, war es für mich entscheidend, dass ich immer genau wußte, was in welchem Moment mit mir und in mir passierte. Ich nahm genau wahr, wie sich das Köpfchen Abschnitt für Abschnitt durch mein Becken schob. Und so wie ich kämpfte, so kämpften sich diese kleinen Wesen durch die Enge, immer weiter ins Unbekannte. Und waren bei der Ankunft so perfekt, dass meine Hebamme sie jedesmal am liebsten selbst behalten hätte.

Ich denke auch, dass egal auf welche Art und Weise man entbindet, es immer ein Kampf ist. Man kann nicht sanft gebären PUNKT  Und auch wer denkt, dass das Ungeborene bei einem Kaiserschnitt vorsichtig aus dem Mutterleib gehoben wird, irrt. Ein heftiger Stoß von außen auf den Bauch der Mutter in Höhe des Brustbeins läßt den Winzling durch den Schnitt unsanft in unsere Welt rutschen. Und wenn sogar der Mutter dabei kurzzeitig die Luft wegbleibt, kann man sich vorstellen, dass auch diese Methode Kraft, Mut und Durchhaltevermögen von dem kleinen Erdenneuling fordert.

Wenn man später dann so einen – nach Erdbeeren riechenden 😉 – Zwerg in den Armen halten darf, kommt einem jedes Mal aufs Neue der Gedanke an ein Wunder.

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Jeder von uns war mal so ein Wunder – und wir sind es noch. Denn mit der Geburt wurden wir vorbereitet darauf, durchzuhalten, mutig zu sein und keine Angst zu haben, ins Ungewisse zu gehen.

Denn das Leben ist ein Geschenk, nach dem wir gierig

gegriffen haben.

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17 Gedanken zu “Abenteuer Leben

  1. *hmmmmm…
    ich habe grad etwas nachdenken müssen, denn immerhin ist es 45 Jahre bei mir her, als ich dieses GLÜCK erleben durfte.
    Vergessen sind die 16 Stunden auf der Entbindungsabteilung des Krankenhauses deshalb natürlich nicht ganz , aber schon etwas verschwommen 😉
    Damals waren auch noch etwas andere Zeiten und deshalb vergesse ich eine Äußerung der diensthabenden Hebamme auch niemals …sie sagte zu mir, weil es so lange dauerte bei 2 minütigen Wehen die ganze Zeit: „Die Machart war sicher schöner und hat nicht so lang gedauert !!!“
    Ich hätte sie erschlagen könne, aber mir fehlte die Kraft ‚lächle

    Es grüßt dich,
    eine glückliche Mutter ❤

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    1. Oh Gott, na die war ja ne Empathie-Granate 😉 …meine Hebamme meinte nur hinterher, dass ich im Kreißsaal sehr leidenschaftlich war, den Rest könnte sie sich denken x-) …während der Geburt war sie aber der Hammer und mit Nr. 2 bin ich hinterher einfach nach Haus marschiert. Sie hat geschimpft, aber nur, weil sie den Wurm lieber tragen wollte ;-))) , war total babyverrückt

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  2. Bei der Geburt meiner vier Kinder war ich dabei. Nur beim ersten bin ich fast umgekippt. Bei meiner Tochter, den zweiten Kind, kam um fünf Uhr früh ein Arzt in den Kreißsaal, der eine entsetzliche Alkoholfahne hatte. Zum Glück wurde er nicht gebraucht. Seltsamer Weise sind alle meine Kinder in den frühen Morgenstunden geboren.
    Übrigens etwas Typografisches, liebe Andrea, ein Warnhinweis in einer zarten Cancellaresca wirkt so gut wie gar nicht.

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    1. Danke für den typografischen Hinweis, nur leider müßte ich meine gesamte Schriftart ändern, denn alle Überschriften sind nun einmal so…zart gehalten 😉 . Dann soll es eben so sein. Ich war erstaunt, dass Du bei Deinen Kindern im Kreißsaal anwesend warst, mein Vater war es nämlich nicht und der dürfte ähnlich jung sein. Er meinte, dass das zu seiner Zeit noch nicht üblich war. Heutzutage lassen sie die Väter auch nur vom Kopf der Mutter aus hingucken. Ich weiß noch, dass meine Hebamme das überhaupt nicht eng sah 😉 . Den Arzt hat sie glücklicherweise immer erst zu einem Zeitpunkt bestellt, wo wir „fertig“ waren, weil das mein Wunsch war. Und die frühen Morgenstunden – sofern sie denn ähnlich waren – könnten für einen ähnlichen Aszendenten stehen. Das ist die Rolle (the ruler), mit der wir auf die Welt zugehen 😉 .

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