Geht nicht, gibt’s nicht !

Geht nicht, gibt’s nicht !

Es war an einem schönen Tag im Jahr 2001, irgendwo zwischen Himmel und Erde.

Pünktlich um sechs Uhr morgens betrat der liebe Gott den kleinen Empfangssaal, um ein paar Neuzugänge zu begrüßen, ein halbes Dutzend Frauen und Männer, die mit gespannter Neugier auf ihn warteten. Sie alle waren in der vergangenen Nacht gestorben und sollten Rechenschaft ablegen über ihr Leben, beziehungsweise darüber, was sie aus ihrem Leben gemacht hatten.

*Nun ihr Lieben*, sprach der liebe Gott, *was habt ihr Gutes zu berichten ?*

Als Erster trat ein kleiner grauer Mann vor: *Ich habe meine Steuern immer pünktlich bezahlt, das Finanzamt hat sich nie über mich beklagt. Ich glaube, ich hätte ein Plätzchen im Himmel verdient.*

*Und ich*, meldete sich seine Nachbarin zu Wort, eine Frau mit dünnen Lippen und spitzer Nase, *ich habe mein Leben lang keinen Tropfen Alkohol angerührt und erst recht keine Männer. Ich will daraus zwar keine Ansprüche ableiten, aber…*

*Papperlapapp*, unterbrach sie ein dicker rotgesichtiger Mann. *Das Einzige, worauf es ankommt, ist Arbeit, Arbeit, Arbeit. Ich habe so schwer geschuftet, dass ich mit vierzig meinen ersten Herzinfarkt hatte. Wenn ich nicht in den Himmel komme, wer dann ?*

*Das werden wir später sehen*, sagte der liebe Gott, offenbar gar nicht zufrieden mit diesen Auskünften. *Zahlungsmoral, Entsagung, Arbeitseifer – soll das alles sein, was auf Eurem Grabstein steht ? Das ganze Ergebnis nach all den Jahren ? Wo bleibt das Glück ? Wo bleibt die Liebe ?* Da fiel sein Blick auf eine hochgewachsene Frau, deren Gesicht trotz tausend Falten ihre frühere Schönheit erkennen ließ. *Du warst doch verheiratet*, wandte Er sich an sie. *Wie war deine Ehe ?*

*Ach, Gott ja*, erwiderte sie mit einem Schulterzucken, *es gab sicher bessere Männer als meinen Walter, aber immerhin, er brachte das Geld nach Hause.*

*Nun ja, Elisabeth, du warst auch nicht das große Los*, brummte ihr Mann, ein älterer Herr an ihrer Seite, *aber immerhin, der Service hat geklappt. Es hätte schlimmer sein können*, schloss er mit einem Seufzer.

Da platzte dem lieben Gott der Kragen. *Gütiger Himmel !*, polterte Er. *Das ist ja nicht zum Aushalten ! Wozu habe ich Euch das Leben geschenkt ? Damit ihr Trübsal blast ? Euch mit dem Zweitbesten begnügt ? Eure Zeit totschlagt, statt sie zu nutzen und zu genießen ?*

Betroffen senkten die Neuankömmlinge die Köpfe. *Mehr war nicht drin, Chef*, maulte der dicke rotgesichtige Mann. *Außerdem*, assistierte ihm die Frau mit den dünnen Lippen, *seit wann lebt man zu seinem Vergnügen ?*

Der liebe Gott überhörte die Einwände. *Was soll Ich nur mit euch machen ?*, murmelte erund kraulte nachdenklich seinen Bart. Dann hellte sich plötzlich seine Miene auf. *Ich werde euch eine Aufgabe stellen. Wenn ihr die schafft, sollt ihr eine neue Chance bekommen.*

Aufgeregte Fragen wurden laut. *Eine Aufgabe ?* – *Haben wir nicht ein Leben lang genug geschuftet ?* – *Was für eine Aufgabe denn jetzt noch ?*

*Ich möchte, dass jeder von Euch einen Freudensprung macht. Ich möchte, dass ihr zehn Meter hoch springt !*

Jetzt schlug die Aufregung in Empörung um. *Zehn Meter ?* – *Unmöglich !* – *Nicht in unserem Alter !*

*Warum eigentlich nicht ?* Die Rufe verstummten, alle drehten sich zu einer Frau mit hellen blauen Augen herum, die bislang noch nicht gesprochen hatte. *Ich meine*, sagte sie, *wenn wir ein Trampolin hätten, könnten wir es schaffen.* *Ein Trampolin ?*, rief der kleine graue Herr. *Das wäre Betrug !* *Warum Betrug ?*, wollte die Frau mit den blauen Augen wissen. *Hat jemand gesagt, Hilfsmittel sind verboten ?* Sie hatte noch nicht ausgesprochen, da stand ein neues, große Trampolin in der Mitte des Saals. *Sehen Sie, man scheint nicts dagegen zu haben !*

*In der Tat, damit könnte es klappen*, sagte der rotgesichtige Mann und machte Anstalten, auf das Trampolin zu klettern. Doch plötzlich verharrte er in der Bewegung. *Mist ! Geht doch nicht ! Die Decke ist höchstens sechs Meter hoch.*

Alle Augen wanderten in die Höhe. *Stimmt*, sagte die Frau mit den blauen Augen. *Aber na und ? Dann müssen wir eben ein Loch in die Decke sprengen !*

*Ein Loch in die Decke ? Das wäre ja total bescheuert !*

*Bescheuert ? Vielleicht – aber nicht unmöglich !* Und wieder hatte die Frau mit den blauen Augen noch nicht ausgesprochen, als es in dem Gemäuer zu knacken und zu rucken begann. Im nächsten Moment barst die Decke entzwei, und sie schauten hinauf in den weiten, offenen Himmel. *Na los, worauf warten wir noch ?*

Die Frau mit den blauen Augen machte den Anfang, und es dauerte keine fünf Minuten, da hüpften alle zusammen auf dem Trampolin. Zehn Meter, zwanzig Meter, fünfzig Meter hoch – die Grenze war nur der Himmel.

*Na also*, sagte der liebe Gott. *Endlich habt ihr’s kapiert ! Geht nicht, gibt’s nicht !* Und mit einem zufriedenen Lächeln fügte er hinzu: *Zur Belohnung dürft ihr noch einmal leben. Aber diesmal richtig, wenn ich bitten darf !*

(Quelle: vollständig zitiert aus „Träume wagen !“, Autoren Thomas Baschab, Peter Prange)

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23 Gedanken zu “Geht nicht, gibt’s nicht !

  1. genau so, grüß mir unsere Schwester mít den blauen Augen 🙂

    passt vielleicht nich ganz ins Thema, aber kommt mir gerade in den Kopf und in Thema verfehlt war ich schon immer gut

    Weißt du, wann immer direkt alle die Köpfe einziehen, drei Kreuze machen und ganz schnell wegrennen?
    Wenn ich ankomm und sag „Ich hab eine ganz tolle Idee“ 😆
    Kann ich gar nich verstehen …

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    1. 😂😂😂 warum kommt mir letzteres nur so bekannt vor ??? 😝
      Ansonsten verfehlst Du nicht das Thema …Du bist schneller (oder anders) im Denken und deshalb wie beim Rösselsprung mal eben 3 Schritte weiter. *seufz* und manchmal ist’s echt anstrengend, andere hinterherkommen zu lassen 😉.
      Das Blauauge nimmt Deine Grüße entgegen und schickt se mal eben gedanklich weiter an all die andern Schwestern 😎

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  2. Das ist eine tolle Geschichte! Wir zweifeln, hadern… Dabei könnten wir einfach unser Leben geniesen, den jeder Tag, den wir nicht genossen haben, ist vorbei und wir können ihn nicht „nachholen“. deshalb finde ich es so wichtig, im hier und heute zu leben! Alles Liebe, Nessy von den happinessygirls

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