Ich steige aus…

Ich steige aus…

In meiner Eigenwahrnehmung halte ich mich für einen sehr ausgeglichenen Menschen. Nicht im Sinne von phlegmatisch, sondern eher lebendig und positiv. Klar gibt es Ausschläge nach oben und unten. Nach oben, wenn ich mich sensationell freue und nach unten, wenn mich etwas extrem aufregt oder sogar wütend macht. Letzteres kommt extrem selten vor, da ich um die Ursachen meiner Wut weiß und solchen Situationen von vornherein ausweiche. Doch immer geht das nicht.

Nach dem verbalen „Austoben“ habe ich mich früher immer geschämt, fand das furchtbar, mich auf einer Ebene zu bewegen, die eher an „Fischmarkt“ erinnert. Nichts gegen Marktschreier, Ihr wisst schon, was ich mit dieser Metapher meine. Mittlerweile habe ich akzeptiert, dass ich eben auch das bin: „Miss Charming“ UND Hafenkneipen-Slang. Und nach dem Akzeptieren kommt deshalb immer die Ursachenforschung:

Warum bin ich so abgegangen, hoch gegangen und hab Rot gesehen ?

Weil ich mich kontrolliert gefühlt habe und damit eine tiefe Ohnmacht verbunden ist. Durch andere Menschen kontrolliert zu werden, passiert uns immer wieder. Mal ist es eine akzeptierte Form, wie der Lehrer, der unser Diktat berichtigt. Und mal ist es die von mir gemeinte Form der Kontrolle, die einen innerlich ohnmächtig werden läßt und lähmt, handlungsunfähig macht, z.B. wenn man gestalkt wird.

Auch Blogger wissen, wovon ich schreibe. Die empfundene Ohnmacht führt dazu, dass man Möglichkeiten sucht, sich zu schützen. Als Blogger hat man die Möglichkeit, seine Beiträge oder gleich den gesamten Blog als geschützten Bereich einzustellen und nur Leute zuzulassen, die man in seinem Blog(-Wohnzimmer) haben möchte, was ich absolut nachvollziehen kann.

Wie schon erwähnt, führt besagte Ohnmacht in mir zur Wut, ja ich hasse es derartig kontrolliert zu werden. Besonders, da alles, was ich schreibe ohne Hintergrundwissen anders ausgelegt werden kann. Alles eine Sache der Interpretation, nicht wahr ? Also warum dann diese Kontrolle, gerade aus dem privaten Umfeld ?

Weil ich dazu neige, offen zu sein ? Weil ich Sachen ausplaudern bzw. niederschreiben könnte, die denjenigen anders aussehen lassen, als er das selbst tut ? Also hat derjenige nur eines:

Angst !

Was für Erwartungen habe ich da bloß geweckt? Oder liegt es gar nicht an mir, sondern an einem tief sitzenden Misstrauen desjenigen?

Ich habe wirklich überlegt, mein „Seelenfunkeln“-Wohnzimmer nur mit Passwort zugänglich zu machen, aber würde das nicht besagtes Misstrauen noch mehr anheizen? Denn was passiert da hinter den geschlossenen Türen ? Außerdem möchte ich das auch gar nicht. Wie ich schon hier antwortete, möchte ich gelesen werden und liebe Input von Außen. Brauche Freiheit und Beweglichkeit und ein geschützter Blog würde all das verhindern.

Was kann ich also tun ?

Loslassen und mir meine Handlungsfreiheit erhalten. Deshalb agiere ich hier. Ich beharre nicht auf Sicherheit, denn die gibt es nicht. Die Sicherheit, dass mich jemand kontrolliert und das Gelesene so auslegt, wie ich das möchte, werde ich niemals haben. Ist also seine Sache. Ebenso hat derjenige nie die Kontrolle darüber, was ich schreibe. Ob er loslassen kann, weiß ich nicht, ist jedoch irrelevant für mich und meine Entscheidungen.

Loslassen ist eben das Gegenteil von Sicherheit und loslassen kann nur, wer vertraut. Nicht blind, aber vollständig sich selbst und in realem Maße der Umwelt:

 

 

 

 

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50 Gedanken zu “Ich steige aus…

  1. Genau das ist mir auch grad passiert. Das hat mich sogar die Freundschaft gekostet, was zugegebener Maßen nicht schlimm ist. Aber derjenige hat Dinge in meinem Blog gelesen und unsinniger Weise auf sich bezogen, obwohl ich denjenigen nur in einem Nebensatz und vollkommen unwichtig, erwähnt hatte. Manche Menschen ziehen sich eben jeden Schuh an, ob er passt oder nicht.
    Danke dir für diesen Eintrag, denn jetzt weiß ich endlich, wie ich damit umgehen und was ich darüber schreiben kann.

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  2. Oh, ich finde deinen Blog für mich seeeeeehr wertvoll, sprich ich fände es ganz ganz schade, wenn
    du nicht mehr schreiben würdest. Dein Text stimmt mich nachdenklich, denn ich gehe sozusagen gerade damit schwanger, auch einen Blog zu entwickeln. Habe aber wenig technisches Wissen
    oder gar Erfahrung. Und denke, wenn es jemand liest und es gegen mich auslegt/verwendet-Schreck lass nach….
    Eigentlich liest man ja nur mit seinem Kopf, Herz und Verstand und versteht eben nur soviel, wie man selbst versteht… ich schreibe ja auch nichts böses gegen andere, sondern eben auch mit mir und in erster Linie für mich… muss ich nochmal drüber nachdenken?!

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    1. Das ist total lieb von Dir, ich bin ehrlich gerührt ❤ . Aber keine Sorge, ich mach weiter 🙂 …und hab sogar einen zweiten Blog in Arbeit. Also wenn Du damit beginnen solltest, mach Dir lieber Gedanken über das Suchtpotential ;-DDD. Man kann auch nicht wirklich lesen ohne etwas zu werten. Und manchmal toucht man andere an Stellen, mit denen man nicht gerechnet hat. Da muss man sich immer wieder bewußt machen, dass das deren Stellen sind und nicht die eigenen. Und wenn Du Hilfe brauchst, frag einfach: gern per Mail – steht in meinem Impressum. Ansonsten ganz viel Spass im Blogland 🙂

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  3. Liebe Andrea, nachdem auch ich den anfänglichen Schock (sie wird doch nicht..) überwunden habe, erst mal gute Besserung! Und dann: Lass Dich bloß nicht unterkriegen! Wut ist im Grunde ein gutes Zeichen. Wir sind absolut unter Spannung. Und Dein Ventil ist eben der Blog. Recht so! Ich hatte das ja in meinem Beitrag „Horcher an der Wand“ auch schon geschrieben. So öffentlich schreiben ist immer auch mit einem gewissen Zweifel verbunden. Aber der Blog, Deine Beträge: Das bist Du! Und so willst Du sein! Ende! Liebe Grüße, Kerstin
    P.S.: Hätte Dich ja niemals gefunden, wenn Du nur Wohnzimmersessions abhalten würdest. Sehr schade wäre das gewesen.

    Gefällt 3 Personen

    1. Nein nein, sie wird auf gar keinen Fall. Da war das nach ca. 3 Monaten bei mir mehr auf der Kippe 😉 ..echt mal, ich will da doch auch nicht drauf verzichten in meiner Stube und Deiner Küche *lach*
      Ich kann mich an Deinen besagten Beitrag nur vage erinnern. Werd ich mal suchen und nachlesen 🙂 Liebe Grüße zurück

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  4. Mir scheint es, als hätten wir „drei“ zur gleichen Zeit sehr ähnliche Gedanken …. Das „Irre“ daran ist, dass es mir sehr bekommt, Eure Beiträge dazu zu lesen, denn auch mir ist kürzlich – hier auf WP – so ergangen.
    Meine Konsequenz war SCHWEIGEN …. Warum sollte ich Worte an Dinge verschwenden, die mir nicht als vorwärtsbringend respektive unnütz erscheinen? Nein, ich denke, in einem Alter zu sein, in welchem ich mir eine gewisse Gelassenheit erlauben darf ;-).

    Dennoch: Ich habe darüber geschrieben, also muss es mindestens wichtig genug gewesen zu sein, mich damit zu beschäftigt zu haben. Vielleicht ist es eher ein „Bearbeiten“. Was wären wir für Menschen, wenn wir alle „Befindlichkeiten“ beiseite legen würden, als wären sie Müll? Reflektion ist eben doch wertvoll :-).

    Danke für den Beitrag 🙂 und herzliche Grüße,

    Sylvia

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    1. Danke Sylvia, Deinen Kommi empfinde ich als sehr wertvoll. Ich hab ja auch nach Veröffentlichung des Beitrags überlegt, warum genau ich den jetzt geschrieben habe, hätte ja auch einfach die Klappe halten könne. Aber es ist so wie Du schreibst: es ist ein inneres Bearbeiten und warum sollte man daran nicht auch andere teilhaben lassen. Besonders, da ja anscheinend mehrere gerade davon betroffen sind und jeder so von den Gedankengängen der Anderen profitieren kann. Genau das mag ich an der Bloggemeinschaft 🙂 . Liebe Grüße zurück
      Andrea

      Gefällt 1 Person

  5. Manchmal brauche ich einfach die Ruhe der Nacht,
    um solche *Schrecküberschriften zu verdauen…
    aber DU bleibst ja *freuundhüpf

    Selbst wenn ich mich nun mal wieder, wiederhole, ich habe das ALLES schon hinter mir und erlaube mir heute, über so EINIGES, nur noch laut zu lachen 😉

    Abeeeeer, liebste Andrea, auch mir erging es so, sehen zu müssen, wie viel Zeit und Energie aufgewendet wurde, um auf diese Weise an Infos von mir zu gelangen, um die dann irgendwie völlig hirnlos, gegen mich zu verwenden. Nahe dran, nur noch Passwort-geschützt oder nur noch in privaten Blogs zu schreiben, habe ich mir dann gesagt: „Hallo, wer bin ich denn, dass ich vor Menschen kuschen muss, die es nicht mal wert sind, namentlich genannt zu werden und diese wundervolle Taste *delete-löschen*, verwendet……..hörst du die RUHE ?

    Gute Besserung Liebes ❤
    und hab' ein wunderschönes Weekend…
    ❤ lichst,
    Uschi

    Gefällt 2 Personen

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