Weltfrieden, Frühschoppen und FSK 18

Weltfrieden, Frühschoppen und FSK 18

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Eine meiner herausstechendsten Eigenschaften ist Neugierde, auch im zwischenmenschlichen körperlichen Bereich. Meinen eigenen Körper kenne ich sehr gut und mag ihn so, wie er ist, Scham = Fehlanzeige. Ich mag Wäsche, die vielleicht nicht jeder im Schrank hat – nein billig aussehendes von O..n ist nicht dabei. Und ich komme viel zuwenig in den Genuss, das auch zu zeigen: die Wäsche natürlich 😉 . Meine Freundin hat leider schon als Kind nicht die positiven Erfahrungen machen dürfen, die mein Körpergefühl geprägt haben. Während ich mit 7 nackt am FKK-Strand spielte, machte sie ihre allererste Diät. Die katholische Mädchenschule, die sie besuchte, trug sicher ebenfalls nicht dazu bei, ein positives Körpergefühl zu entwickeln. Und so kann sie als Mittvierzigerin auf eine lange Diät-Karriere zurückblicken und lernt erst seit kurzem, ihren Körper zu nehmen, wie er ist und sich um Bedürfnisse zu kümmern.

So habe ich mich dann vor kurzem als Einkaufsberater für einen Reeperbahn-Bummel zur Verfügung gestellt. Schöne Wäsche und…ein Vibrator. Das kleine handliche Etwas im Karton war leider nur unzureichend auf der Verpackung beschrieben, und so marschierte ich damit zur Kasse und sprach die Verkäufer dort daraufhin an: „Sagen Sie, würden Sie diesen Vib Anfängern empfehlen?“. Komisch, die 2 Herren traten noch ein Stück weiter in den Hintergrund (fehlendes Fachwissen vermute ich). Dafür antwortete mir die junge Verkäuferin: „Also Anfängervibratoren haben wir nicht, gibt es auch gar nicht. Aber darf ich Ihnen diesen einmal auspacken und Sie testen ihn?“ *grins* Hab ich, in der Hand natürlich. Und während ich als Einkaufsberater mir nicht anmerken ließ, dass das gute Stück nicht für mich bestimmt war, besah sich besagte Freundin das ganze Szenario skeptisch mit etwas Abstand.

Dass genau diese Freundin mich keine 2 Wochen später kontaktierte, um mir einen netten Sonntag im Swingerclub vorzuschlagen, erklärt eigentlich nur ein enormer Entwicklungssprung. Nein, nicht durch den Vib, der liegt meines Wissens noch im Karton…

Eine vorherige Reservierung war Voraussetzung, damit die Gastgeber das Buffet entsprechend planen konnten. Und so schlugen wir 2 ungleichen Mädels an einem verregneten Sonntag die Türglocke einer grundsätzlich abgeschlossenen Eingangstür. Auf FSK 18 wird hier nämlich extrem geachtet. Fast zeitgleich mit uns kamen noch ca. 120 weitere ausgewählte Gäste. Also klein und kuschelig 😉 . Denn auf eine gute Mischung von Paaren, sowie alleinstehende Damen und Herren ist Voraussetzung, damit sich alle wohlfühlen.

Wir warfen uns nach einer sehr herzlichen Begrüßung durch die Gastgeber in einer viel zu kleinen Unisex-Umkleide in unsere heißen Fumm… äh, Klamotten und genehmigten uns die erste Latte des Tages. Wer jetzt grinsen mußte – zu Recht – ich habe das gefühlt allererste Mal einen Latte Macchiato bestellt. Nur „Eine Latte, bitte“ zu bestellen, gelang mir nicht. Ja, auch ich habe irgendwo Grenzen 😉 . So ganz in Ruhe in einem Swingerclub sitzen, eine Latte zu genießen und Leute beobachten – besser kann ein Sonntag nicht starten. Und was für Menschen wir sahen: große, kleine, schwarze, blasse, sehr schlanke und wirklich dicke, im chicen Dress, im Anzug, in Faschingskleidung (Wer findet Männer im Clownkostüm sexy ??? ), aber auch dem schlimmsten Netzfummel – es war alles vertreten. Und dazu eine familiäre und angenehme Stimmung.

Nachdem wir uns eine Stärkung am Buffet und einen gutaussehenden Stammgast als Tischbegleiter für die Konversation gegönnt hatten, bekamen wir eine Führung durch das Raum- und Wellnessangebot des Clubs. Die Bar als den zentralen Treffpunkt, die den Nichtraucherraum von der ebenso großen Raucherlounge abtrennt, hatten wir ja schon kennengelernt. Allein hätte ich mich verlaufen, denn es gab jede Menge Räume zum Spielen, eine Sauna, einen Massageraum incl. Masseur, einen Außenwhirlpool und Duschen. Und überall standen Regale mit schneeweißen Handtüchern, sowie in Duschen und Toiletten auch Hygieneartikel, Deo und Haarspray.

Die Spielräume bedürfen an dieser Stelle einer kleinen Erläuterung. Natürlich dürfte man sich auch an der Bar vergnügen, tut es aber nicht, sondern sucht den Raum seiner Wahl – oder eben eine freie Stelle „auf der Matte“. Vom SM-Raum mit Gyn-Stuhl, Andreas-Kreuz und vielen weiteren Nigglichkeiten, bis zum STOP-Raum oder der Hundehütte (ein Raum mit großer Leder-Liegefläche und fensterartigen Öffnungen, sowie mehrere kleine und noch ein großer Raum bleiben keine Wünsche offen: alles ist absolut sauber, angenehm ausgeleuchtet und Kondome stehen überall bereit. Und so vergnügt sich eben jeder der 35 bis 75jährigen auf seine Art und Weise. Das Anbandeln geschieht an der Bar oder im Pool, man unterhält sich nett und dann kann alles passieren, aber nichts muss. Denn ein „Nein“ wird hier strikt befolgt. Und so kommen z.B. die einen als Paar, lassen sich von der Stimmung aufheizen und nutzen den STOPP-Raum nur für sich alleine, andere schauen gern zu oder lassen zuschauen. Viele kennen sich, sind schon lange dabei und der Sex steht längst nicht mehr im Mittelpunkt. Für andere gehts ums Ausprobieren, Neues kennenlernen und Fantasien auszuleben. Und ich habe mir sagen lassen, dass viele Paare, nach so einem Besuch zuhause angekommen, nicht satt sind. Dann widmen sich die meisten noch einmal intensiv einander, weil Sex eben doch mehr als nur auf körperlicher Ebene stattfindet.

Beim Wort Swingerclub hat sicher der ein oder andere Bilder im Kopf, aber diese entsprechen partout nicht der Realität. Denn vor allem herrscht hier eine gegenseitige Toleranz, die ich so noch nie gespürt habe. Oder wie meine Freundin formulierte: “ Wenn jeder Mensch einmal im Monat in so einen Club gehen würde, wäre er nicht nur entspannter, er hätte auch ne Menge für den Weltfrieden getan!“ Zum Weltfrieden trug sicher auch das jeweils zum Mittag und Nachmittag neu bestückte Buffet und überhaupt die Preisgestaltung bei. Sämtliche Getränke sowie Buffet, Sauna, Whirlpool, Handtuch- und Toilettenartikelnutzung waren im Preis inbegriffen. Damen ohne Anhang sind pro Person mit 15,- Euro dabei. Herren zahlen einiges mehr. Paare haben so einen Mittelpreis von 45,- Euro. Hier wird nämlich nicht gleichgemacht, was unterschiedlich ist und trotzdem wird jeder Unterschied respektiert. Nach einem Besuch mit soviel verschiedenen Körpern konfontiert, hat dann hoffentlich auch die Letzte begriffen, dass Scham im Zusammenhang mit dem eigenen Körper nichts zu suchen hat. Und dass es für jede Figur entsprechende Liebhaber (ja, eindeutig zweideutig gemeint!) gibt.

Und so haben wir Club-Neulinge ca. 7 Stunden die freundliche und aufgeschlossene Atmosphäre genossen, viel gelacht und gequatscht, gegessen und (nicht nur Latte) getrunken, sauniert, uns amüsiert und Eine von uns hat auch Zeit und Berührungen auf der Matte genossen. Wer? Das bleibt mein Geheimnis. Aber eines kann ich verraten: wir waren nicht zum letzten Mal zu Besuch. Also, nehmt das Leben locker und traut Euch.

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54 Gedanken zu “Weltfrieden, Frühschoppen und FSK 18

  1. Hey, supercool beschrieben und kann ich nur zustimmen. Das kleine Schwarze aus Lack/Leder/Latex kommt leider viel zu selten zum Einsatz 😉 Wie du schreibst, genieße auch ich die Stimmung hin und wieder in so einem Laden. Die Menschen sind wesentlich angenehmer als in jeder „normalen“ Bar. Allerdings vergnüge ich mich dann lieber zu Hause mit meinem Partner.

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    1. Danke Dir 🙂 …ja die Stimmung ist wirklich wesentlich entspannter. Wußtest Du, dass es ausschließlich in HH frivole Bars gibt? – jetzt mal abgesehen von den Clubs, die gibts ja bundesweit. Fand ich interessant. Werd da bestimmt noch mehr zu recherchieren…müssen 😉

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  2. Schön beschrieben und sehr deutlich gemacht, dass ein Swinger Club nicht schmuddelig ist und für sehr viele Personen ein Ort zum Wohlfühlen sein kann. Sehr schön auch, wenn eine Frau nach langen Jahren zu sich selbst findet. Ob das nun in den Swinger Club, in den Sexshop oder das erste mal alleine in ein Cafe führt ist zweitrangig. Wichtiger erscheint mir, dass man einen Weg findet sich selbst zu mögen und offen durch das Leben zu gehen.

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    1. also in diesem leben … werde ich mich wohl nicht mehr besonders mögen … aber da würde mir auch kein sexshop oder swinger-club helfen …

      es sei denn … sie würden einen nach mir benennen … aber bitte nur einen … wo sooo schöne menschen verkehren … dass man dort sogar das licht anlässt …

      das könnte mich dann doch ein wenig erheitern …

      ein ganz klein wenig vielleicht …

      yo … der SWINGING HERO CLUB … das wäre schon was … (grübel)

      die mädels lade ich alle persönlich ein … und die kerle empfange ich natürlich selbst an der tür …

      das macht sinn (für mich) … auch wenn da für die herren der abend endet …

      sooo könnte das doch was für den helden sein … 😈

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      1. Der Held und seine TAGTRÄUME …Schatz, pfleg Deinen Nobelhobel und Deine Pokerrunden und kümmer Dich um die Karriere von Minni-Messi …und Bodyguard und Seelenbeauftragter biste ja auch noch im Blogland (auch wenn Du das zur Zeit schändlich vernachlässigst!)…und den Rest überlass mir 😉

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        1. genau … sollen sie doch alle sehen … was sie nicht haben können … 😉

          alkohol trinke ich seit fast einem jahr gar nicht mehr … aber für dich kann ich auch ruhig mal eine ausnahme machen …

          ein – zwei kühle blonde … werden mich nicht umbringen … wobei ich eine warmherzige brüNETTE momentan viel lieber hätte … 😉

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    2. Danke Mitzi, ja genauso seh ich das auch. Das erste Mal alleine in einem Cafe war auch für mich komisch, aber interessant. Und ob Dus glaubst oder nicht, ich hab noch einen first time tag diesen Monat gehabt: war das erste Mal alleine in ner Autowerkstatt – und die haben mir die Beleuchtung und die Schlüsselbatterie gratis repariert 🙂 . Solche ersten Male liebe ich …auf dass uns noch sehr viele erste Male begegnen ❤ ein schönes WE wünsch ich Dir ❤

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  3. WP hat das Blumenmädchen vor deinem Artikel entfolgt, das fand ich sehr führsorglich *lächel*… ganz großes Kino wie du über so eine Selbstfindung schreibst… letztendlich bedeutet ‚Scham‘ der Norm nicht zu entsprechen… körperlich… das darf sich jetzt jeder mal auf… wo auch immer zergehen lassen… 😉

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        1. *i couldn´t care less …* würde der EXIT-BRITE wohl sagen …

          du kennst mich eben doch nicht so gut … aber das habe ich ja schon oft angemerkt …

          zu meiner schande muss ich allerdings gestehen … dass ich seit langer zeit für fast nichts mehr interesse aufbringe …

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    1. WP hat alles mögliche umgestellt und wer weiß, wen es noch so entfolgt hat *grummel* …ob das aus Fürsorge war, bezweifle ich. Aber wie schön, dass Du nicht befolgst, was autoritäre Softwaresysteme Dir vorschreiben 😉
      Ja, die Norm kennzeichnet auch immer Grenzen. Und wie sag ich immer: einfach springen! Ich nehm auch gerade wieder Anlauf…es wird politisch 😉

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  4. Ich wollte schon immer wissen, wie es sich swingt. Offensichtlich zivilisierter als in oeffentlichen Saunas, in denen ich sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe. Gut, dass Deine Freundin dich hat, ihr waer sonst viel entgangen!LG❤

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      1. in der Sauna war es ok, das Drumherum, das wie zufällig anfassen usw. empfand ich als unangenehm, manche Männer kannten die Grenzen des guten Geschmacks nicht. Ich bin dann nur noch in Frauen Saunas gegangen 😉

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      1. Fasching? Da wird Verkleiden auf die Spitze getrieben und auch hoch offiziell ‚Verkleiden‘ genannt.
        Ich verkleide mich manchmal ganz gern. So mit Mini-Rock und so. Nur die Kriegsbemalung schenk ich mir inzwischen, stand mir eh nie…😉
        Fasching find ich schon okay, habe ihn selten gefeiert, ganz früher mal, in der Schule. Doch irgendwie ist ja jeden Tag Fasching. Ich fahre heute in die City und beobachte die Verkleidungen. Dann rate ich wer was darstellen will. Manchmal vertu ich mich, aber der Busfahrer ist auch in Wirklichkeit einer bis Feierabend , wie er mir verriet. Danach transformiert er zu einem Jogger.✨

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