Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit

An den letzten 2 Tagen hat sich auf dem Hof ein Schaf (ich vermute, es war jedesmal dasselbe) durch eine Lücke im Zaun des Geheges gezwängt. Hat die anderen Schafe nicht sonderlich interessiert. Keines wollte hinterher. War ja alles perfekt im Gehege, genug zu fressen, Sonne von oben, viele Besucherkinder, die Futter zuwarfen und Hofmitarbeiter, die man anblöken konnte. Ach ja und Abwechslung hatten die Schafe auch, ein frisches Lamm und das ganz in schwarz von einer weißen Mutter! Also wenn das nicht genug Gesprächsstoff lieferte 😉 . Für die Kinder war das Lämmchen natürlich auch das Highlight. Nur ein paar machten sich Sorgen ob des ausgebrochenen Schafes und gaben uns darüber bescheid. Wir haben sie beruhigt. Schafe sind Herdentiere und entfernen sich nicht von ihrer Herde. Es würde sich bis abends gedulden müssen, bis alle Besucher den Hof verlassen haben und dann ganz einfach wieder eingefangen und zurück ins Gehege gesetzt werden.
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Mit 17 wurde ich damit ausgezeichnet, an einem großen Jugendtreffen in Berlin teilnehmen zu dürfen. In einem Riesenzug von Blauhemden zogen wir an der Tribüne vorbei, von der uns die damaligen Regierungsvertreter huldvoll grüßten. Erich war auch dabei. Bei seinem Anblick und der späteren Ansprache lief es mir kalt den Rücken runter, denn die Bilder, die damals in jedem unserer Klassenräume hingen, zeigten ihn mindestens 30 Jahre jünger. Aber das war ja schon soooo ein alter Knacker! (Nicht im Sinne von knackig, eher sehr gebrechlich) Und der sollte Chef der Republik sein und uns in eine bessere Zukunft führen? Das machte mir ein sehr komisches Bauchgefühl. Dann wollten wir uns am Abend noch eine kleinere Veranstaltung ansehen, für die man eigentlich spezielle Einladungen brauchte. Nur außer uns hatten anscheinend hunderte anderer Jugendlicher dieselbe Idee dort ohne Einladung zu erscheinen, einfach aus Neugierde. Die Ordnungsorgane hatten aber alles abgesperrt und zur Sicherheit (wessen auch immer) Schupos mit Maschinengewehren postiert. Aber was sind schon vorgartenhohe Absperrzäune und ein paar Schupos gegen Massen von Jugendlichen? Doch, ja, wir hatten ein mulmiges Gefühl, sehr sogar. Trotzdem rannten wir einfach drauflos. Hat funktioniert. Ich weiß nicht mal mehr, was denn jetzt eigentlich auf der Veranstaltung so besonders war, nur dass ich nach meiner Rückkehr systemskeptischer war als vorher.
Danach verbrachte ich einen wunderbaren Sommer voller Sehnsucht und Flausen im Kopf, im Schwimmbad und beim Taschengeld verdienen. Einen schlechten Küsser und viel Sonne gab es im besagten Sommer auch noch. Ich sah mir aber die Nachrichten genauer an: die aktuelle Kamera UND das „Westfernsehen“. Las das Neue Leben (Jugendmagazin der DDR) und die Bravos, die ich bei ner Freundin in die Finger kriegte. Kaum ging mein letztes Jahr am Gymnasium wieder los, änderte sich nicht nur mein Studienwunsch – weg vom Lehrer hin zur Außenwirtschaft – ich besuchte auch noch regelmäßig die Veranstaltungen des Neuen Forums. Ich wollte mehr wissen, umfassender informiert sein. Nicht das nachkauen, was mir vorgespeichelt wurde.
Und mit einem Mal war die Mauer auf.
Wie es weitergeht, wußte niemand. Es überwogen Hoffnung und Freude. Vor allem die Hoffnung darauf, selbstbestimmt zu leben, zu reisen und offen seine Meinung äußern zu können.
Lange Zeit hatte ich erst einmal damit zu tun, all die neuen Eindrücke zu verarbeiten, die ungewohnte Technik und Kultur kennenzulernen und so schnell wie möglich eigenes Geld zu verdienen. Ans Studium habe ich einige Zeit noch wehmütig gedacht, aber gewohnte neuronale Programmierungen läßt man nicht einfach hinter sich. Und ein Studium konnten sich, laut meinen Informationen, nur die ganz Reichen leisten. Nach und nach integrierte ich mich, wurde ein Teil dieser Gesellschaft. Sowas passiert am besten durch Anpassung. Und ich merkte, dass es auch in dieser Gesellschaft ratsam ist, aufzupassen, was man sagt. Rechtzeitig den Mund zu halten. Und schon gar nicht, die Hand zu beissen, die einen füttert. Was mich schon früh zu der Aussage veranlasste, dass die Leute im Westen die Mauer wahrscheinlich nie zu Fall gebracht hätten, weil sie ja schlimmer als Schafe seien. Weil sie mehr abgelenkt sind und mehr angebliche Freiheit genießen. Aber Freiheit heißt nicht, reisen zu können, wohin man möchte oder wann immer einem danach ist, Bananen zu konsumieren. Freiheit ist die Freiheit der anders Denkenden. Denn Freiheit beginnt im Kopf. In dem, was man konsumiert an Informationen.
Während ich mir früher durch die 2 unterschiedlichen Nachrichtendarstellungen in Ost und West eine eigene Meinung bilden konnte, stoße ich momentan nur auf eine Informationsgleichschaltung von TV und Print. Diese kommt eher einer Sensationsgleichschaltung nahe. Öffentlich-rechtliche und private bringen meist sogar dasselbe Bild- und Videomateriel. Warum? Um uns nicht zu verwirren? Oder um neuronale (eingleisige) Autobahnen zu legen? Gleiche Information und gleiches Denken für alle ! Vor allem Informationen, die die Angst in den Köpfen schüren, denn Angst zu haben ist einfach. Sie zu erzeugen auch. Weil der Mensch Sicherheit will. Ein schönes Gehege, Sonne, Futter und was zum Tratschen – wie die Schafe.
Glücklicherweise gibt es immer mehr Ausnahmen. Und das Internet. An alternative Informationen zu kommen wird einfacher. Ich habe gemerkt, dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen, gerade wenn öffentliche Medien eine Information/Informationssendung oder -seite als Verschwörungstheorie titulieren. Das Wort wird anscheinend immer dann verwendet, wenn die eigenen Argumente ausgehen. Als Totschlagargument (medialer Kugelhagel), weil dagegen niemand den Widerspruch wagt. Ich hab was gegen eingleisiges Denken und Zensur und handle damit sogar verfassungskonform – siehe unten. Und ich bin dankbar, dass es zum Beispiel Leute wie Ken Jebsen mit KenFM oder die Internetseite yoice.net/ mit youtube-Kanal gibt. Also nutzt an diesem sonnigen Sonntag das schöne Wetter und Euren Geist.

Musikalische Untermalung hab ich da auch noch. Rap ist eigentlich nicht so meins, aber hört den Song 3-4mal, dann geht der wirklich ins Ohr:
Mit dem schwarzen Schaf beschäftige ich mich dann am nächsten Sonntag.
Deutsche Verfassung Artikel 5
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
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15 Gedanken zu “Meinungsfreiheit

  1. Deine autobiographische Skizze habe ich mit Interesse gelsen, liebe Andrea. Vermutlich macht dich die Sozialkisation in der versinkenden DDR hellsichtig gegenüber negativen Entwicklungen in unseren Medien. Deiner Vermutung, dass die Leitmedien neuronale (eingleisige) Autobahnen“ legen, stimme ich zu. Allerdings glaube ich nicht an eine konzentrierte Aktion, nicht an eine Verschwörung, sondern ich glaube, dass es eher ein Sekundäreffekt ist. Journalisten wollen Karriere machen und wissen, dass es abträglich ist, gegen den Strom zu schwimmen. Eine eigene Meinung kann sich nur leisten, wer wirtschaftlich unabhängig ist. Zum Glück haben wir übers Internet Zugriff auf abweichende Meinungen und Informationen.

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    1. Lieber Jules, danke für Deine Meinung und Dein Interesse. Ob meine Aufmerksamkeit gegenüber manipulativen Medien meiner Sozialisation geschuldet ist, kann ich nicht sagen. Ich verspüre bei jeglicher Art von Machtmißbrauch – und der kommt auch in ganz normalen Hierarchien in Unternehmen vor – ein starkes Unwohlsein. Vielleicht ist es auch nur ein stark ausgeprägter Wahrheits-/Gerechtigkeitssinn. Ich weiß nicht, ob Dir Noam Chomsky etwas sagt, aber hier habe ich mal einen Link, der die 5 Filter beschreibt, die medial Anwendung finden: https://www.youtube.com/watch?v=vow4ZV1Eedc
      Natürlich kann man das als reine Vermutung abtun, aber wie Du so treffend sagst, ist es eben abträglich, medial gegen den Strom zu schwimmen. Unter der Obama-Regierung wurden 6mal mehr Journalisten strafverfolgt, überwacht und litten unter Repressalien, wie unter allen vorherigen Präsidenten zusammen. Und Mutter Merkel möchte mitziehen, siehe Rede im Bundestag vom 23.11.16: „Sie wolle … darauf aufmerksam machen, dass Meinungsbildung heute anders erfolgt als vor 25 Jahren: Für Journalisten gebe es Regeln der Sorgfaltspflicht und vieles mehr. Nun nutzten die Menschen aber andere, viel weniger kontrollierte Medien. Mit dem Phänomen müsse man umgehen und neue Regeln finden. Sie unterstütze darum die Arbeit des Justiz- und des Innenministers, die unter anderem daran arbeiteten, wie man Hassreden im Internet unterbinden kann.“ Neue Regeln? Also Blogger und UNABHÄNGIGE Medien wie KENfm mundtot machen, wenn sie anders berichten, als allgemein gewollt? Deutschland ist wieder dabei, uns langsam aber stetig abzuhärten und bereit zu machen für militärische KAMPF-Einsätze.

      Ich bin gespannt, wohin das führt.

      Sonnige Sonntagsgrüße

      Andrea

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  2. Es liegt auch daran, dass sie manchmal dem gleichen Konzern angehören.
    Wirkliche Nachrichten zu bekommen, ist sehr viel schwieriger geworden, seitdem es das Internet gibt. Man meint, man wisse mehr, was einen in Sicherheit wiegen lässt. Und dann geht es naürlich um wirtschaftliche Interessen, auch angesehene Medien brauchen Geld, um richtig recherchieren zu können. Dann ist es zusätzlich interessant, Nachrichten aus unterschiedlichen Ländern zu lesen. Oft sind Tatsachen, Tatsachen im Kontext (aus eigener Perspektive ;-))

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    1. Liebe Ann,
      ja klar liegt es auch daran, wo Journalisten arbeiten. Die Medienbranche ist mit Wirtschaft und Politik eng verwoben. Guck Dir gern die 5 Medienfilter von Noam Chomsky auf youtube an. Den Link hab ich oben in den Kommi bei Jules reingesetzt.
      Recherchiert wird eher wenig, denn es geht darum, im Zuschauer ein Gefühl zu entfachen. Und dazu reichen auch Archivbilder. Propaganda funktioniert nunmal so. Deshalb finde ich es wichtig, sich auch anderweitig Infos reinzuholen. Ich glaube, dass die eigentliche Funktion des Netzes Internet von uns allen noch unterschätzt wird.
      Liebe Grüße

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      1. Liebe Andrea, N. Chomsky kenne ich schon lange, ein faszinierender Geist, der aber langsam alt wird;-) Ich widerspreche Dir, seit dem Wahlausgang in den USA wird die Macht des Internets non stop analysiert. Fast jede Industrie missbraucht sie zu ihrem Nutzen…. in einer Zeit, in der selbst wir Pressemitteilungen schreiben koennen, ist es nur noch sehr schwer zu durchschauen, was fake ist und was nicht. LG Ann

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    1. Ich glaube, dass das Netz eine Chance ist. Eine Chance auf alternative Informationen und eine Chance, sich alternativ zu vernetzen und viel mehr Handlungsspielraum als jemals zuvor zu haben. Denn wir sind so vernetzt, wie noch nie, es gibt jede Menge Aktivitäten einzelner und durch die Vernetzung können diese Aktivitäten große Kreise ziehen. Natürlich schaukelt sich da auch vieles hoch, was negativ ist. Aber ich denke, wir befinden uns noch in einer experimentellen Übungsphase dieses Zeitalters. Ist denke ich das ist so ähnlich, wie dass man herausgefunden hat, dass Pilze mit ihrem Myzel nicht nur an einen Baum gebunden sind, sondern die gesamte Erinnerung des Waldes speichern – war jetzt blumenmädchen-like ❤ und früher oder später wachsen wir mit 😉

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  3. Hallo hallo!
    Ich bin begeistert von Deinem Artikel. Du weißt ja, dass ich politisch sehr interessiert bin und insbesondere die Erwähnung von KenFM finde ich mega stark von Dir. Ich weiß was es heißt anders zu denken in Systemfragen und besonders auch öffentlich dazu zu stehen.
    Beginnt mal damit erst mal, macht es wirklich Spaß hinter die Fassade zu blicken…
    Respekt dafür an Dich und ich hoffe, dass wir Dank dem Internet alle gemeinsam (immerhin sind WIR über 99%!) noch eine echte Veränderung des bestehenden Systems zum Positiven, ganz besonders zum Friedlichen, bewirken können.
    In diesem Sinne

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    1. Hallo zurück,
      dankeschön. Ja, das Sichtbarmachen erfordert Übung, denke ich. Bin aber grad gut im Flow, auch auf FB. Aber noch hat sich keiner abgewandt 😉 . Meine Generation ist ja eher so gestrickt, dass die meisten gar nichts selbst posten, sondern nur schauen, was die anderen so machen – sehr übersichtlich das Ganze, sogar bei 130 „Freunden“. Und ohne Panik machen zu wollen, aber es geht anscheinend ganz stark in Richtung weichklopfen der Massen, um Kampfeinsätze unterstützen.
      Friedvolle und sonnige !!! Grüße aus dem Norden

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    1. Hallo Ulrike,
      die kenne und lese ich auch regelmäßig unregelmäßig. Danke für das mit anbringen 🙂 . Und ich hoffe, dass all diese alternativen Berichte uns erhalten bleiben.
      Nachmittagsaktive Grüße – da passt nämlich n Kaffeepott neben die Tastatur 😀

      Gefällt 1 Person

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