Ausländer oder was ???

Ausländer oder was ???

Gerade stattete ich Oberbayern einen winzigen Besuch ab. Und wie das Karma und ich es so wollten, traf ich auf einen Wochenmarktstand, an dem ich die berühmten Weißwürste erstand. Alleine der Kauf verlangte mir alles ab. Dagegen war die folgende Autofahrt über 850 Kilometer ein Klacks.

Der bestimmt über 75jährige Herr war vor seinem Stand mit anderen Marktbeschickern in ein Gespräch verwickelt und auf meine Anfrage nach den Würsten erzählte er mir etwas, das so ankam wie, dass ihn die anderen von seiner Arbeit abhielten. Ich hab das mehr geraten als verstanden, denn er wühlte erst mal einige Minuten im Anhänger hinter dem Verkaufswagen und kam dann mit einer großen Kiste und der Frage „Wieviele?“ zurück. „Ich möchte bitte 6 Stück“, war meine sehr hochdeutsche Antwort. Ob man Weißwürste wirklich paarweise kauft, weiß ich nicht, vielleicht wollte mich der alte Herr auch nur veräppeln. Aber 6 Paar wollte ich dann doch nicht. Und so einigten wir uns auf 3 Paar. Während er mir diese einpackte, erzählte mir der Verkäufer noch alles mögliche… Ich verstand leider NIX ! Guckte ihn nur mit großen Augen an und meinte: „Ich verstehe Sie leider gar nicht“. Er grinste nur, brauchte weitere lange Minuten, um das Wechselgeld zusammenzusuchen. Meine Versuche, ihn auf meinen Zeitdruck aufmerksam zu machen, wischte er mit Grunzlauten vom Tresen. Innerlich wappnete ich mich schon für ein ähnlich ablaufendes Gespräch bei meinem bevorstehenden Kundenbesuch.

Glücklicherweise lief die Kommunikation verständlicher, das Zeitproblem schien aber auch hier nicht existent. Die Uhren ticken anscheinend in den Bergen anders. Ach und überhaupt, auf meiner Zugfahrt hatte ich gerade mal so ein paar kleinere Hügel gesehen. Die Vorstellung von „Berge“ bei mir Flachländerin beinhaltet nunmal so richtig hohe Bergspitzen mit Tannebäumen und Schnee 😉 . Seltsam waren dann auf der Rückfahrt die Verkehrsschilder, die ein 12%-Gefälle ankündigten. Beim Ranfahren hatte ich das Gefühl, wie in einer Achterbahn auf den höchsten Punkt draufzu zu fahren und nicht zu sehen, was dahinter kommt. Und 12 % sind wirklich steil bergab. Also doch Berge 😉 .

Urlaub_AT01
So wie in „Heidi“ stellt man sich die Berge doch vor.

Meine Würste haben die Rückfahrt sehr gut überstanden, nur was genau isst man oder frau dazu? Die beste aller Münchner Freundinnen war nicht greifbar. Also gab es Fusion Food, dafür bezahlt man im Restaurant schließlich einen Batzen Geld. Kartoffeln mit Sour Cream, Krautsalat (der hört sich doch bayrisch an, oder?) und Röstzwiebeln. Naja und natürlich die Würste (ja, warm gemacht) mit süßem Senf. Ich fand es sehr sehr lecker, nur die Wurstpelle war ganz schön zäh.

Am nächsten Morgen dann die beste aller Münchner Freundinnen am Telefon. Na gut, auf Brezeln und Weißbier hätte ich so gar keine Lust gehabt. Und nachdem die Beilagen geklärt waren, erklärte sie mir dann noch, dass ich die Würste zutzeln muss häääää. Damit Ihr Euch also bei Eurem nächsten Besuch südlich des Weißwurstäquators nicht blamiert: die Dinger LUTSCHT man aus…. Iiiiiiihhhh. Hab dann zum Frühstück noch eine übrig gehabt. Und ich kann Euch sagen: mit Messer und Gabel kriegt man das Innere auch von der Pelle geschabt, nachdem man die Wurst längs halbiert hat. Aber wer da unbedingt dran lutschen will  x-)

Auf die Idee Youtube zu fragen, bin ich vorher nicht gekommen. Hätte mich vielleicht aber auch nur noch mehr verwirrt:

 

Und so hat mich diese Kurztour nicht nur den Geschmack echter Weißwürste kennen lernen lassen, was ein Haferl ist, weiß ich nun auch und erst recht, dass die beste aller Münchner Freundinnen ihre Mundart wirklich äußerst gemässigt spricht, selbst wenn sie ihre Mama imitiert.

 

Bildnachweise, da pixabay nicht aufrufbar:

Weißwurst: http://www.metzgerei-stuebi.ch/page/hausgemachte-weisswuerste/

Berge: https://www.google.de/url?sa=i&rct=j&q=&esrc=s&source=images&cd=&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwjw0annr7vTAhVE2RoKHcrnDAoQjB0IBg&url=http%3A%2F%2Fdecorate-cook-love.blogspot.com%2F2011%2F08%2Fheidi-heidi-deine-welt-sind-die-berge.html&psig=AFQjCNE9EtcuPYnKKpIVR78hu1iNyiDthQ&ust=1493064210869883

Advertisements

60 Gedanken zu “Ausländer oder was ???

  1. Irgendwann komm ich auch noch ins Land der Weißwurscht. Aber halt! Ich kenne so etwas…allerdings aus Schlesien, diese Weißwurst schmeckt anders, auch die Pelle ist weicher. Ich Trau mich bislang nicht nach Bayern, weil ich Bielefelderisch mit Durchprägungen von Westfälisch, sedimentiert von lippischen Flüchen spreche. Das ist wie Russisch und Arabisch. Zuzeln ist allerdings so ein Wort, das es auch im Schlesischen gibt, nicht nur wegen der Weißwurstparallele. Da stammt die Sippe her. Auch Artischocken kann man abzuzeln und die Würste auszuzeln bevor man versucht ‚Oachkoatzlschwoaf‘ mit vollem Mund zu spucken und das bayrische Gegenüber sich an Unmöglichkeiten wie: Eichhörnchenschwanz ‚Pillepoppen‘ und ‚Pinöckel‘ versuchen darf. Und ja: in den Bergen ticken Uhren anders und die Leute sind gleich gemütlicher. Berge sind groß und ruhig, die meiste Zeit liegen sie wie Kamele herum, damit man in Ruhe herauf und auch wieder herunterklettern kann. Berge halten still. Weiß bloß keiner…
    Ich wohne in einem Mittelgebirgchen. Mit Berglein. Wachsen noch und der Name Heidi war aber auch im Teuto mal schwer angesagt, meine Klassenkameradin heißt so. Doch statt die Berge toll zu finden, taucht sie lieber in der Südsee. Heidis sind auch nicht mehr das, was, ach, egal…

    Schönen Wochenstart✨

    Gefällt 4 Personen

    1. Danke liebe Fee für Deine Gedankengänge, hab mich schmunzelnd amüsiert. Die Heidi in der Südsee hats ja nun nicht so ganz anders als in den Hügelein, nur ihre sind unter Wasser und die Gangart (also die an Land) ist auch sehr gemächlich, so ähnlich gehen Kamele – ich weiß das, weil es mir dort auch so ging – bzw. weil ich so ging ;-). Geht ja auch nicht anders bei dem Klima. Und im Englischen merkt man den bielefelder Dialekt bestimmt nicht mehr so – oder er wird getoppt vom indischen Englisch.Und in der Südsee sind ne Menge Inder. Jetzt weißt, warum die Heidi da gelandet ist *lach*.
      Der Schwanz meiner Katze ist dem eines Eichhörnchens übrigens sehr ähnlich. Nun überlege ich den Flusefussel umzubenennen in Pillepoppen. Wie gut, dass sie eine Wohnungsmieze ist 😉 . Auch wenn ich das Wort noch so niedlich finde, käme es bestimmt komisch, wenn ich das hier auf der Strasse rufe.
      Ach ja und die Würste musst Du irgendwann mal testen, sind wirklich lecker und haben nichts mit dem Zeug gemeinsam, das man im Supermarkt bekommt.
      Liebe Abendgrüße

      Gefällt mir

  2. Eine lebhaft erzählte bildliche Geschichte! 🙂
    Sehr gut!

    Wobei diese Gemütlichkeit tatsächlich eher eine Sache von „auf dem Land“ ist. In den bayerischen (Groß-)Städten habe ich das anders kennen gelernt. Die „Erfolgreichen“ geben spießigerweise richtig Gas und da wird dann auch mal über ein paar über die Straße getriebene Kühe geschimpft. Aus mit der Gemütlichkeit.
    In den Bergen (=auf dem Land) ist das aber anders. Habe ich mal bei einer Alpenüberquerung zu Fuß auch festgestellt, südlich von Bayern wird es nochmal ein ganzes Stück gemütlicher. 🙂

    Die Exklusivität der Weißwurst ist abgesehen davon auch nicht mehr eine bayerische. Die gibts ja inzwischen überall im Supermarkt zu kaufen. Gut, dass ich Vegetarier bin. 😉

    Gefällt 2 Personen

    1. Kulturbanause ! 😉 Weisswurst aus dem Supermarkt wäre ja wie Labskaus aus der Dose : Bäääähhh. Deshalb hat das Zeug auch so einen schlechten Ruf – der ist bestimmt nicht wegen der Farbe *ggg* . Na das mit der Gemütlichkeit ist hier ja ähnlich gewichtet. Je weiter Du nach Norden fährst, um so mehr spielt das ne Rolle und in Dänemark erst recht, deshalb ja auch nur Tempo 120 dort auf den Autobahnen. Wußtest Du, dass die Dänen bei zuviel Schneefall einfach ihre Autobahnen sperren, tagelang. Ist dann eben so. In HH heißt das dann einen Tag lang Schneechaos – also alles ab 3 Flocken.
      Deine Alpenüberquerung zu Fuß hört sich interessant an. Aber nicht survivalmäßig, oder?

      Ach ja, seit der Histamingeschichte „muss“ ich irgendwie ab und zu Fleisch einbauen, weil ich mich extrem eingeschränkt fühle, was meine Nahrungsauswahl angeht. Das sollte in 1 jahr auch wieder Geschichte sein, weil ich wirklich total umstellen muss. War vorher schon 80% Vegan unterwegs.

      Gefällt 1 Person

      1. Die Alpenüberquerung war nicht wirklich survivalmäßig. Aber wir hatten einen Wasserfilter und einen Gaskocher dabei und haben zwischendurch unser eigenes Brot gemacht und uns stellenweise selbst versorgt, haben aber stets auf Hütten und einmal in einer Pension übernachtet.

        Am heftigsten war die körperliche Erschöfpung, am extremsten Tag sind wir 10 Stunden gewandert, ohne große Pause. Keine Ahnung wieviele Höhenmeter rauf und runter.
        Erstaunlich war für mich in wie kurzer Zeit sich der Körper auf die enorme Belastung einstellen kann. Nach 5 Tagen Dauer-Höhenwanderung bist Du soweit, dass Du auch 50 Tage wandern kannst. Die ersten 2 Tage sind krass, danach ist alles einfach nur roboterartig. 🙂

        Samy Deluxe hat mal gesagt: „Hamburg is da wos kein‘ Sommer gibt!“ 😉

        Gefällt mir

        1. …Au weia, der Gutste war zeitweise weißzippelaffin?
          Wahrscheinlich ein orales Defizit aus frühkindlicher Prägungsphase…
          Außerdem: nach Zuzeln kommt Brutzeln. Geht aber auch mit reifen Zucchinis und Artischockenherzchen in leckerem Stippzeuchs…😋

          Gefällt 2 Personen

  3. Ich biete mich bei künftigen besuchen gerne als Übersetzer an 😉
    Die Würscht darf man auch mit Messer und Gabel essen. Das machen wir Münchner auch manchmal. Aber wir beraten es den Gästen nicht, weil es immer wieder lustig aussieht, wenn sie das erste mal zuzeln.

    Herzliche Grüße aus Müchen

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke Mitzi,
      wenn Ihr Münchner Euren Gästen schon so liebevoll Messer und Gabel verschweigt, was würde mich dann beim Übersetzen erwarten ? 😉
      Das ist so ähnlich, wie man hier seinen Gästen erklärt, dass man die Kieler Sprotten (Das sind so kleine geräucherte Miniheringe.) wirklich mit Kopf und Schwanz isst. x-)
      Liebe Grüße aus dem Norden – bin wahrscheinlich Montag/Dienstag sogar in München, bestell mal bitte schönes Wetter 🙂

      Gefällt 1 Person

  4. Als nach über 40 Jahren dem bayerischen Staate Angehörige kann ich berichten, dass man Weißwurst auch mit Messer und Gabel von der Pelle befreien kann, ohne sich als Unwissender zu outen. Aber das mit den Dialekten kann ich gut nachvollziehen. Ich war unlängst in der Sächsischen Schweiz unterwegs und da gab es dann doch diverse Verständigungsprobleme, so von wegen sächsisch-bayrisch. 😉
    Mitunter sehr erheiternd.
    Liebe Grüße, Kerstin

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Kerstin,
      genauso kam ich mir vor 😀 . Trotzdem mag ich den Dialekt, wenn auch in gemäßigter Form, sehr. Nur wenn mein bayrischer Auftraggeber mir einen Auftrag per Telefon durchgibt und es arg übertreibt, muss ich ihn echt bremsen. Aber wozu bin ich in der Transportbranche, nicht wahr 😉
      Danke Du bayrische Staatsangehörige, hab mich sehr über Deinen Kommi gefreut.
      Liebe Grüße
      Andrea

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s