Du hast die Wahl

Du hast die Wahl

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Dieser Tage kommt niemand drum herum in Schleswig-Holstein. Es ist Wahlzeit-Hoch-Endphase. Überall werden Dir seit Wochen markige Slogans und sinnfreie Parolen in die Augen geimpft. Von Kompetenz und Machern, Alternativen und ausreichenden Zweitstimmen handeln die unbelegten Kernaussagen. Dazu verstärkt ausgestrahlte Radiospots. Und ich vermute – als Totaler-Verblödungs-Abstinenzler – dass es im selbigen nicht anders aussieht. Dazu noch persönliche an die Jungwähler verfasste Briefe der großen Parteien im Briefkasten – fragt sich, wieso die das dürfen!

Schreiben SPD
Die christlichen Demokraten waren schneller – auch im Papierkorb 😉

Das regierungsmäßig geräumte Landeshaus in Kiel ist seit Donnerstag am Aufrüsten mit medialem Equipment: mehrere 40-Tonner mit ultrateuren Kameras, LED-Screens und kilometerlangen Kabelmassen werden entladen und ein Studio eingerichtet – extra für die Wahl. Natürlich mit viel Beleuchtung. Licht ist wichtig, um die Moderatoren und die gesamte Veranstaltung bestmöglich anzustrahlen *oooops* natürlich auszustrahlen. Das Spektakel erinnert mich einmal mehr an die Gladiatorenkämpfe im alten Rom. Auch damals hatte das Publikum Mitspracherecht. Natürlich nicht darüber, ob die Kämpfer überhaupt antreten. Sondern nur, wer denn den finalen (Gnaden)-Stoß erhält. Hat sich irgendwie in 1800 Jahren nicht wirklich viel verändert:

Gebt dem Volk Brot und Spiele (dann habt ihr freie Bahn, um zu herrschen).

Denn auch wir entscheiden bei einer Wahl niemals Grundlegendes. Beispielsweise, ob Deutschland Waffen exportiert, oder ob wir überhaupt eine Regierung brauchen – eine gewagte These, ich weiß. Und der gerade losgetretene Bundeswehr-Skandal zielt meines Erachtens nur auf eines ab: dass jeder von uns Schafen einsieht, dass die Truppe mehr Geld braucht, um besser ausgebildet zu sein, und dass etwas unternommen werden muß, damit sich die Kameraden nicht langweilen. Aktive Einsätze zum Beispiel. Bei den ganzen Feinden – laut der Medien – ist das ja auch nur eine logische Konsequenz, nicht wahr? Wenn alle um Dich herum dafür sind, eine Waffe in die Hand zu nehmen, dann ist das doch total legitim, oder?

Wir alle wissen, dass Deutschland unglaublich viele Waffen in Krisengebiete liefert. Und damit sind auch wir, die ganz fleißig wählen gehen, verantwortlich an den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt. Denn die Lieferungen sichern uns Arbeitsplätze und den Lebensstandard. Könnte man als scheinheilig bezeichnen oder als menschlich. Der Deal ist, dass wir das Fußvolk, uns dafür mit den Geflüchteten auseinander setzen müssen.

Zuckerbrot und Peitsche

In unserer repräsentativen Demokratie werden nämlich die Entscheidungen nicht vom Volk, sondern von den Repräsentanten gefällt. Naiv, wer meint, dass diese die Interessen der Mehrheit vertreten. Oder meint irgendjemand, dass diese Vertreter sich aus ideellen Motiven für ihren Job entschieden haben? Einen Job für 110.000 €/p.a. zuzüglich Aufwandsentschädigung von ca. 4000 €, einem Dienstwagen samt Chauffeur und das mit durchschnittlich 45 Jahren erreicht zu haben, ist aus materieller Sicht einfach verlockend. Zusätzlich darf man für ca. 20.000 Euro im Monat Mitarbeiter einstellen und Büromittel von 12.000 €/p.a. gegen Nachweis anschaffen. Wobei das Büro selbst schon mit Drucker, Laptops, Telefon, Fax und Möbeln ausgestattet ist. Einfach mal wirken lassen.

Und überlegen, ob es denen, die uns von den Plakaten anstrahlen wirklich um uns oder um unser Land? Oder um die Sicherung ihres Lebensstandards – wäre menschlich. Politiker sind zwar keine Bauern im Schach der Welt, aber Könige und Damen sind sie auch nicht. Läufer und Türme, ja das trifft es eher. Sie halten die Wege frei.

Was für Alternativen es zur repräsentativen Demokratie gibt? Ich weiß es nicht. Ein neuer Weg, den man mal ausprobieren könnte, Grenzen überschreiten, gegen den Strom schwimmen und

Einfach springen!

Stell Dir vor, es ist Krieg und niemand geht hin. Nicht zu wählen ist eine Alternative.

Legendary

Schau dich um, was los ist
Nimm einfach Zeitschriftenseiten
Ich habe nach Antworten gesucht
Immerzu seit wir siebzehn sind
Du weißt, dass die Wahrheit eine Waffe sein kann
Um diese Welt voller kranker Absichten zu bekämpfen
Eine neue Antwort auf dieselben Fragen
Wie oft wirst Du noch das Gleiche gesagt bekommen?
Ich denke, die haben da komplett was falsch verstanden
Wir müssen einfach dranbleiben
immer, immer und immer wieder
Dadurch, dass wir Legende sind
Müssen wir Ihre Aufmerksamkeit erringen
Was wir hier tun ist nicht beunruhigend
Es wird legendär sein
Yeah, wir werden legendär sein
Werden ihnen allen eine Ansage machen
Ich habe das Gefühl wir sind so süß fürsorglich
Es geht darum legendär zu sein
Dazu sind wir angetreten

Und wir konnten es nicht mehr wollen
Dahin können wir niemals mehr zurückkehren
Das muss jetzt alles sein gelassen werden
Ich habe ausgeträumt, dass der Zahltag kommt
Durch Ringen und Kompromisse
Jetzt vertrete ich die Wahrheit in aufrechter Haltung auf dem Weg an die Spitze
Sag` Ihnen die Wahrheit und sie denken doch es sind Hirngespinste
Ich denke, die haben da komplett was falsch verstanden
Wir müssen einfach dranbleiben
Immer, immer und immer wieder
Dadurch, dass wir Legende sind
Müssen wir Ihre Aufmerksamkeit erringen
Was wir hier tun ist nicht beunruhigend
Es wir legendär sein
Yeah, wir werden legendär sein
Werden ihnen allen eine Ansage machen
Ich habe das Gefühl wir sind so süß fürsorglich
Es geht darum legendär zu sein
Letztendlich werden sie wissen, wer Recht hat
Um zu überzeugen, musst du dich im Kampf durchsetzen
Wenn du die Glut nicht ertragen kannst, dann geh raus aus dem Licht
Wir werden ohne Begleiterinnen von Harlekins leben müssen
Nie werden sie deinen Schlachtruf hören wollen
Yeah, wir werden legendär sein
Ihre Aufmerksamkeit erringen
Werden ihnen allen eine Ansage machen
Ich habe das Gefühl wir sind so süß fürsorglich
Es geht darum legendär zu sein

 

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20 Gedanken zu “Du hast die Wahl

  1. Nicht wählen – das würde nur was bringen, wenn so viele nicht wählen gehen würden, dass die Wahl ungültig wäre

    Ich halt auch nix von Demokratie
    Ananda for President! – also, als Allein-Herrscherin natürlich … nix mit Demokratie
    – wirklich Bock hätt ich nicht auf den Job, aber ich würde mich opfern zum Wohl des Volkes

    Da das glücklicherweise noch nicht gefragt ist, hab ich meinen Briefwahl-Umschlag dann doch noch mal in den Briefkasten und nicht in den Papierkorb geschmissen

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    1. „Ananda for president“ finde ich durchaus überlegenswert 😉 . Dann führst Du Unterricht wie in Bhutan ein bitte, mit Meditation und so.

      Das Ding mit Wahlen auf Landes- und Bundesebene ist aber, dass es egal ist, wie hoch die Beteiligung ist, sie sind IMMER gültig. Im Bundestag aber zum Beispiel nicht. Da muss dann doch eine bestimmte Anzahl Abgeordneter anwesend sein, damit eine Abstimmung gültig ist. Das zum Thema Demokratie: wir als Fußvolk haben nicht soviel Mitspracherecht, wie dann später die gewählten Vertreter.
      Würde jetzt nur nochmal interessant sein, wie Du gewählt hast. Ich meine nicht WEN. Ich wette mal, Du hast auf das kleinere Übel gesetzt – und das kanns eigentlich nicht sein. Soll keine Kritik an Dir sein, macht schließlich jeder, den ich kenne so.

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      1. Jepp – Bhutan ist ein gutes Vorbild 🙂

        zu meiner Wahl – für die Erst-Stimme habe ich mich an den Personen orientiert, so weit man was wissen kann von denen, hab ich den genommen, der mir am sympathischsten war
        Zweit-Stimme – da hab ich etwas exotisch gewählt 🙂 eine nette kleine Partei, vielleicht kriegen sie ja ein paar Stimmen…

        Demokratie – mein Problem ist weniger das Mitsprache-Recht…. mein Problem ist der Bevölkerungs-Durch-Schnitt…. wenn ich mir auf der Straße einen repräsentativen Ausschnitt der Menschheit beguck… und mir dann vorstell, die haben – hätten in einer Ideal-Demokratie das Sagen… uaaah…. *schnellwechrenn

        Einen schönen Sonntag dir ❤

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        1. Zu Deiner Wahl sag ich nix. Und welcher Bevölkerungsteil Dir da in den Fokus gekommen ist, kann ich mir vorstellen 😉 .
          Musst weniger rennen und in die Büros und nicht soviel auf die Strasse gucken, dann ändert sich Dein Fokus.

          …sorry für das mit dem Rennen *pruuuust* – hast Du selbst mit angefangen 😉
          Dir auch einen schönen Sonntag ❤

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          1. nee nee 🙂
            Ananda Anders 😉
            Fokus is da ja gar nicht – Fokus ist ganz woanders und ich guck sie mir an – und grad die, die ICH nicht lieben kann – mit dem Herzen, mit DEM in mir was in mir und in allen Menschen drin ist – kann ich DAS in denen sehen… wo unter jedem Fehl-Verhalten, unter jeder Hässlichkeit nur Mangel und Leid liegen – und dann kann DAS in mir DAS in dem anderen liebevoll ansehen und stärken
            Das is mein Weg – Wahl is halt grad mal Thema aber rein äußerlich und vorübergehend und wird keine Veränderung bringen
            Veränderung kann nur von Innen kommen und nur die Liebe kann heilen
            Heilung braucht die Welt, nicht Schläge… öööh… apropos Baseball und so 😉

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    1. Ist angekommen, lieber Klaus. Höre ich da etwa Politikverdrossenheit? *lach* Und dabei sind wir in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern mit derselben Gesellschaftsform sehr viel pflichtbewußter. Nicht wahr, hier geht man eben wählen 😉

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    1. Liebe Christiane,
      genau das ist die Crux: bei Wahlen auf Länder- und Bundesebene gilt das Quorum. Heißt, es ist egal wieviele Menschen wählen gehen. Im Bundestag gilt das wiederum bei Abstimmungen nicht. Da sind 2/3 der Abgeordneten notwendig, um die Abstimmung gültig werden zu lassen. Heißt, Protest ist von unserer Ebene aus nicht wirklich möglich – vllt weil nicht erwünscht?
      Mittlerweile gibts ja nicht wenige Staaten mit derselben Gesellschaftsform und die Venedig-Kommission des EU-Rates empfiehlt sogar das Quorum. So wird m.E. großflächig Demokratie unwirksam.
      Warum ich trotzdem dafür bin, nicht zu wählen? Weil ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann, mich für das kleinere von 2 oder mehr Übeln zu entscheiden. Freiheit sieht anders aus. Und weil ich denke, wenn eine ganze Menge mehr Menschen ebenso handeln, wird dieses Thema neu verhandelt und gesetzlich fest gelegt werden müssen. Irgendwann wird dazu die kritische Masse erreicht sein. Denn es gibt unglaublich viele Menschen, die gefrustet von der Politik sind, sich aber eigentlich mehr wünschen. Der Zulauf zur Afd zeigt, dass nach Alternativen gesucht wird. Die Leute werden auch denen wieder den Rücken zuwenden, aber sie werden nicht aufhören, nach Alternativen zu suchen. Entwicklung braucht eben Zeit und Denkanstöße. Mag sein, dass ich mich idealistisch anhöre- aber so ein bisschen wie 20 fühlen wir uns doch alle im Innern, oder? 😉

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      1. Es gibt diesen Spruch, der schon ziemlich alt ist: Wenn Wahlen wirklich etwas ändern würden, wären sie verboten. Wahlmanipulationen sind zumindest bei den letzten Wahlen in den USA nachgewiesen. Und würde ich heute (in D) wählen gehen müssen, hätte ich auch ein Problem (in den USA würde ich nicht wählen). Trotzdem halte ich es nicht für die beste Lösung, nicht zu wählen. Aber wie ich aus dem Dilemma herauskomme, weiß ich auch nicht. Und auch ja, ich bin auf jeden Fall auch idealistisch, von Fall zu Fall sogar sehr.
        Liebe Grüße
        Christiane

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    1. eigene Meinung äußern = Denkanstoß für andere.

      Lesen des Artikels = Beschäftigung mit einem Thema, wo die eigenen Meinung anscheinend fest steht.

      Und der feine Blümchensarkasmus zeigt mir, dass da Chlorophyll durch die Nervenbahnen rauscht 😉

      Sonne scheint, lass es rauschen ❤ ❤ ❤ 🙂

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