Liebe – ein Nachtrag

Liebe – ein Nachtrag

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Neulich habe ich versucht zu erklären, warum ich meine, in einer Beziehung ein besserer Mensch zu sein. Es mißlang.

Während der gerade zurückliegenden Fahrt hatte ich 8 Stunden Zeit, um das besser zu formulieren:

Wenn man liebt, hat man Angst um den Anderen,

man sorgt sich,

weil man ihn nicht verlieren möchte.

Aber noch viel mehr tut man für den Anderen,

wächst über sich hinaus

und überwindet seine tiefsten Ängste.

 

Wer liebt, wirklich liebt, ist deshalb eine verbesserte Ausgabe seiner selbst, oder?

 

 

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Kartoffeln mit brauner Soße

Kartoffeln mit brauner Soße

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Ich war immer stolz darauf, eine andere Grundeinstellung zu meinen Mitmenschen zu haben, weil ich nicht im westlichen Teil Deutschlands geboren bin. Dass ich das Wohl meiner Mitmenschen, der Gruppe immer ebenso (und manchmal viel mehr) im Blick hatte, als mein eigenes.

Ich war immer stolz darauf, sehr geerdet aufgewachsen zu sein, umgeben von Natur. Ich war stolz auf meine Anpassungsfähigkeit, denn auch die Natur passt sich an geänderte Umweltbedingungen an. Und auch wenn man nicht hört, dass ich ein Ostkind bin, so erkenne ich und erkennen mich meinesgleichen sofort.

Ich war stolz darauf, so unglaublich viel Wissen in den ersten Jahren nach dem Mauerfall in mich aufgesogen zu haben. Mehr als in den 12 Schuljahren vorher. Ich war stolz auf mein Ost-Abi, auch wenn es einen Krampf bedeutete, dass dieses in den alten Bundesländern gleichwertig anerkannt wurde. Meine Schulbildung war sehr breit ausgelegt und unabhängig von Fachschaften oder wirtschaftlichen Interessen einzelner Bundesländer oder den persönlichen Interessen von Lehrkräften. Ich hatte 7 Jahre Unterricht in sämtlichen Naturwissenschaften auch Astronomie gehörte dazu, zusätzlich noch 2 Sprachen.

Es hat mich stolz gemacht, zu erkennen, dass Materielles nicht das Wichtigste ist, weil Improvisationstalent erst durch Mangel entstehen kann. Ich war stolz darauf, in Lösungen zu Denken und nicht in Problemen.

Und ich war immer der Meinung, dass ein Ossi besonders sensibel gegenüber Machtstrukturen ist. Weil er weiß, was Überwachung oder Bevormundung, Machtlosigkeit und der Kampf dagegen bedeuten.

Ja, ich war stolz, ein Ossi zu sein. Zumindest eine gewisse Zeit lang.

 

Wie das so läuft, wenn man älter wird – mit einem Mal steht ein Klassentreffen an.

Aus irgendeinem Grund konnte ich meine Teilnahme einfach nicht sofort zusagen. Natürlich bin ich neugierig, was alle zu erzählen haben. „A… hat ein großes Herz, für Liebe, Freude, Leid und Schmerz:“ – hatten meine Klassenkameraden damals vor 30 Jahren zum Abschied über mich gedichtet. Und viel hat sich daran bis heute nicht geändert.

Trotzdem hinderte mich irgendetwas, den Termin zuzusagen. Ich redete mir ein, dass es am langen Vorlauf läge. Ich bin nicht der Typ, der 9 Monate im voraus plant – nein, das hab ich nichtmal schwanger getan. Ich weiß heute nicht, was in 9 Monaten sein wird, niemand weiß das. Was mich gehindert hat, war vielmehr eher eine Ahnung um die „andere politische Einstellung“ der meisten Daheimgebliebenen. So ganz wahrhaben wollte ich das nicht. Kann doch nicht so schlimm sein – dachte ich. Und wurde gestern Abend in der Whattsupp-Klassengruppe eines Besseren belehrt.

Ein wirklich extrem rassisstischer „Witz“, vorgetragen per Video von einem meiner alten Bekannten. Ich hab wirklich überlegt, ob ich ihn kurz besuchen fahre, um ihn genauso zu verprügeln, wie in der dritten Klasse. Was ich aber noch viel schlimmer fand: dieses Video stand da gute 7 Stunden in der Gruppe und NIEMAND der anderen hat auch nur irgendetwas dagegen gesagt oder geschrieben. Ich denke, da sind nicht nur Mauern in den Köpfen, das sind ganze Burgen. Festgefahrene, engstirnige Denke auf unterstem Niveau.

Das Klassentreffen ist für mich gestorben. Soviel braune Soße, da kann von mir aus die Mauer doppelt so hoch wieder aufgebaut werden. Ja, ich hör mich enttäuscht an, weil ich es bin und stinksauer noch dazu.

Wie kann es sein, dass Menschen, mit denen man 10 Jahre ein totalitäres System ausgehalten hat, die ebenso wie ich davon träumten, die ganze Welt zu bereisen ohne jemals wirklich daran zu glauben, dass dieser Traum in Erfüllung geht, dass genau diese Menschen so fürchterlich intolerant und fremdenfeindlich sind?

Meine angewiderte Meinung habe ich zum Ausdruck gebracht. Und ich hoffe, damit eine Diskussion angestoßen zu haben. Nachverfolgen kann ich das nicht. Ich habe die Klassengruppe verlassen.

Ich bin stolz, Ich zu sein.

Ausspruch der Woche

Ausspruch der Woche

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„Also ehrlich: Er IST heiß. Hey, versteht mich nicht falsch. Ihr Männer unterscheidet zwischen Frauen fürs Bett und Frauen zum Heiraten. Meint Ihr beiden denn, wir Frauen ticken da anders?“

„Also jetzt sinkst Du für uns grad in die unterste Schublade! Er ist ein Arsch!“

„Jungs, manchmal interessieren mich nur 2 Sachen: ein Arsch und … nun ja.* “ 😉

*mein Arsch

 

 BOOTYLICIOUS ❤