Grenzerfahrung

Grenzerfahrung

(Fotoquelle hier: http://www.100orte-reisemobil.ch/100_Orte/Wohnmobil/Grenen/42/)

Das Foto zeigt die „Grenze“ zwischen Nord- und Ostsee oben in Skagen/ Dänemark. Jeden Tag sieht es dort anders aus. Jeden Tag wird die Grenze zwischen den Meeren neu „festgelegt“.

Über obere und untere Grenzen habe ich mich in der Vergangenheit geäussert. Und auch, dass nur tolerant sein kann, wer seine Grenzen kennt. Jedoch erfahre ich selbst Grenzen immer wieder als etwas, was verschwimmt, nicht hart und unflexibel ist, sondern lange Zeit eher was von weichen Übergängen hat, um dann ganz plötzlich umzugeschlagen. Denke ich zum Beispiel an die Dämmerung, so ist das ein weicher undefinierbarer Zustand und mit einem Mal herrscht Dunkelheit oder eben Tag. Ebenso wie der geistige Zustand beim Einschlafen oder Meditieren. Geist und Seele nähern sich einander an. Eine Zwischenwelt, die zeigt, dass die Verschmelzung von Gegensätzen möglich ist. Die aber gleichzeitig auch eine Gratwanderung darstellt. Von Alpträumen wird man wieder wach, oder man gleitet in eine tiefere Schlafphase.

Anandas Post bzw eher die Kommentare dazu, befassen sich vielgestaltig mit Abgrenzung. Ist es nicht aber eher so, dass wir alle einer Einheit „entstammen“ und es uns genau da wieder hinzieht? Klar muss ich an dieser Stelle auch mal erwähnen, dass all die Atome aus denen Dein und mein Körper besteht, sich alle 3 Monate erneuert/ ausgetauscht haben (nicht oder nur bedingt miteinander 😉 ). Ein bisschen Physik muss in so ein materiell anmutendes Thema einfach mit rein.

Wir meinen, unsere Körpergrenzen wären, weil materieller Natur, klar definiert. Und was ist mit der Zone von ca. 30 cm um uns herum, in die wir nur Menschen lassen, die uns sehr vertraut sind? Alle anderen, die diese unsichtbare Grenze überschreiten, betrachten wir als Eindringlinge, weichen zurück, um uns wieder wohl zu fühlen. Solche Zonen um uns herum, gibt es ja mehrere. Und wer wie weit darf, ist den meisten von uns bewusst. Erst der Körper stellt den materiellen Übergang dar (naja auch da nur zeitlich bedingt, siehe Physik).

Aber wie genau kommt man sich jetzt näher, überwindet die einzelnen Zonen und lässt jemanden schlussendlich evtl sogar körperliche Grenzen überwinden?

Ist es nur das Vertrauen, was da wächst oder auch ein tiefsitzender Wunsch nach Verschmelzung oder nach dieser Zwischenwelt?

Heisst bedingungslos zu lieben nicht, sich hinzugeben, keine Grenzen zu haben? Aber wie lassen sich diese inneren Abwehrsysteme ausschalten? Grenzenloses Verständnis für den Partner und absolutes Vertrauen?

Aus der Beschäftigung mit dem Themenbereich BDSM ist mir eine Sache ganz besonders positiv in Erinnerung: Vertrauen wuchs durch das gemeinsame Durchleben von Grenzerfahrungen. Einer, dessen Grenzen immer wieder überschritten wurden, und zwar immer ein wenig mehr und dazu der dominante Part, der die Grenzen des Partners genau kannte und verantwortungsbewusst dessen Reaktionen beobachtete. Aber vor allem hinterher den Schock, den so eine Grenzübertretung mit sich bringt, positiv auflöste, durch Zuspruch, Verständnis und Anwesenheit.

Ist es das, was zu einem immer tieferen Vertrauensverhältnis führt?

Für mich war es ein mittelschwerer Schock, einzusehen, dass die bedingungslose Liebe in meiner Vorstellung eher einem Ideal gleicht, das mit meinen Grundsätzen der Selbstliebe heftigst kollidierte. Bis mir klar wurde, dass bedingungslose Liebe eben auch bedeutet, mich selbst so anzunehmen, wie ich bin. Und mich zu beobachten, eben die kleinen Piekser in meinem Watte-Grenzbereich zu registrieren, sofort anzusprechen. Damit sie sich eben nicht zu einem Filzknäuel der Sprachlosigkeit verdichten und zu emotionalen Tornados werden, die tote „Beziehungs“-“ Erde hinterlassen. Wenn die feste Grenze erreicht ist, ist eine Deeskalation meist nicht mehr möglich. Andersherum jedoch, wenn ich all die Piekser im Wattebereich anspreche und vom Gegenüber selbiges erfahre, fühle ich mich verbundener. Eigentlich verrückt, oder?

Das Getrenntsein aufzuheben durch das eigene Erkennen von Grenzverletzungen. Also durch das Ich in das tiefere Vertrauen zum Du.

Also ausser dem Königreich, das jeder von uns hat, kann es noch eine Zwischenwelt geben. So wie 2 sich leicht überlappende Kreise.

(Fotoquelle Vesica piscis hier: https://www.spreadshirt.dk/vesica+piscis+galaxy+sacred+geometry+mathematics+dame+premium+t-shirt+med+lange+aermer-D16046730)

Ich bin gespannt auf Eure Gedanken dazu. Eine schöne Woche ❤

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