Darf man/frau das?

Darf man/frau das?

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Manche Menschen machen mehr Dummheiten als ihnen gut tun. Warum auch nicht, dazu ist das Leben doch da. Immer wieder mit dem Kopf gegen dieselbe Wand bis man es kapiert hat. Ansonsten hilft einem das Leben von außen nach, stubbst auf die wunde Stelle und zwingt einen, die Werte und Grenzen, die man für sich ausgemacht hat, doch bitte gefälligst auch einzuhalten – in Taten.

Da ruft mich neulich eine Freundin an und fragt mich, ob sie DAS darf. DAS erklärt sie folgendermaßen: Seit 10 Jahren schon gibt es diesen Bekannten, diesen schwerkranken Bekannten. Anfangs war ihr nicht bewußt, wie genau diese Beziehung eigentlich ablief. Dass sie sich jedesmal nach Gesprächen mit ihm ausgelaugt fühlte und trotzdem innerlich den Drang verspürte, ihn aufzumuntern, ihm Mut zuzusprechen. Obwohl sein grundsätzlicher Tenor negativ und lebensverneinend ausfiel. Zwischenzeitlich war sie umgezogen und bemerkte, dass jegliche Kontaktaufnahme zum besagten Bekannten von ihr ausging. Sie fühlte sich verpflichtet, den Bekannten aufzufangen, sich um ihn zu kümmern, wenn er mal wieder seine schwärzesten Phasen hatte. Aber es schlauchte sie so sehr, dass sie sich mehr und mehr zurücknahm und ihm die letzten 2 Jahre nur noch zum Geburtstag gratulierte. Glückwünsche aus der anderen Richtung bekam sie nicht, nur wenn es ihm mal wieder ganz schlecht ging, meldete er sich. Und sie tröstete, beschwichtigte, machte Mut und gab praktische Ratschläge. Es / Er änderte sich … NICHT(S). Doch dann beschloß er vor kurzem, meine Freundin besuchen zu wollen. Und da kam Panik in ihr auf. Sie vertröstete ihren Bekannten: zuviel Stress gerade. Und als sie in einer ruhigen Minute in sich ging, stellte sie fest: sie wollte ihn nicht sehen, naja vielleicht an einem öffentlichen Ort, aber schon gar nicht bei sich zuhause und eigentlich, ja eigentlich GAR NICHT und auch NIE.

Ich riet ihr, das Ganze sanft auslaufen zu lassen. Sich nicht zu melden, auf sich selbst zu achten, ihr HELFERSYNDROM schleunigst zu erkennen und ihre eigenen Grenzen zu stärken. Dass sie DAS darf – nur für sich und ihr Seelenheil da zu sein. Und noch während ich mit ihr darüber redete, bemerkte ich den Kloß im eigenen Hals.

Darf man jemanden, der sehr krank ist, einfach so im Stich lassen ?

Jeder von uns kennt eine ähnliche Situation. Man kennt jemanden, der nur noch eine kurze unbestimmte Zeit in dieser Welt sein wird. Man kümmert sich, sorgt sich, weiß nicht viel, gibt gutgemeinte Ratschläge und verbale Streicheleinheiten und hat ja trotz allem immer noch sein eigenes Paket zu tragen. Und manchmal wird das einfach alles zuviel.

Muss man dem Kranken sein Bedürfnis nach extremer Aufmerksamkeit erfüllen? Das Gewissen nagt an mir, weil ich ihn überleben werde. Aber ich finde keinen Mittelweg, der von Respekt gekennzeichnet ist. Denn die Kommunikation ist „fürn Arsch“, besonders, da jeder von uns sein Ego lebt, um sich zu schützen. Ich hab ihm, wie es meine Art ist, in der Vergangenheit häufig contra gegeben im Scherz und manchmal im Ernst, andersherum zielt er aber wesentlich tiefer als Gürtellinie. Merkt diese Ausfälle anscheinend nicht einmal. Muss ich das akzeptieren? Müssen andere das akzeptieren? Denn die betrifft es ebenso. Krank ist nicht behindert, oder? Also nein, ich möchte jemanden, der schwer krank ist, nicht anders behandeln, als gesunde Menschen um mich herum. Trotzdem hab ichs getan, hab Rücksicht genommen, meine Standards aufgeweicht, weil ich mitfühlend sein wollte. Denn das Gegenteil wäre doch herzlos, oder?

Ich kann mich aber nicht in den Schwerkranken reinversetzen. Trotzdem tut es weh zu sehen, wie Talent verschwendet wird an unnötige Trivialitäten und vor allem ans Jammern. Wird man im Angesicht der eigenen Endlichkeit automatisch zum Opfer? Ja, ich reagiere allergisch auf die Opfermentalität. Und so habe ich das getan, wozu emotionsgesteuerte Göttinnen in Beziehungen, die ihnen nicht gut tun, neigen:

NOTBREMSUNG

RAUSSCHMISS

ENDSTATION (für ihn)

Mein Zug wird weiter fahren. Ab und zu werde ich aus der Ferne schauen, wie es ihm (seelisch) geht, denn entgegen seinen Behauptungen, weiß ich das ziemlich gut einzuschätzen, ihn ziemlich gut einzuschätzen. Und ebenso aus der Ferne akzeptiere ich, dass er den Rest seines Lebens so lebt, wie er es tut – egal, was ich davon halte oder was er von mir hält. Er war für mich eine Inspiration – egal wieviel von seinen Geschichten, seinem Leben oder dem Namen seiner Person der Wahrheit entspricht. Und weil ich möchte, dass er das weiß, steht es hier PUNKT.

Und ja, ich hab meistens das letzte Wort, SCHATZ

 

 

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Frauen über 40 …#2

Frauen über 40 …#2

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Frauen über 40 haben viel gelernt, über andere, über Frauen und vor allem über sich. Sie haben beobachtet und Schlüsse gezogen. Sie wissen, Wann sie Wie drauf sind und Warum. Weil sie sich als Teil der Natur begriffen haben und wie die Natur einem Kreislauf folgen oder besser folgen müssen.

Frauen über 40 genießen es, am Wasser zu sitzen und den Wellen zuzuschauen. Weil sie selbst Wellen sind. Mal groß und Furcht einflößend, mal sanft umspülend. Sie haben begriffen, dass sich ihr Körper, ihre Emotionen und ihre Seele wie Tiden auf und ab bewegen. Dass auf Ebbe immer wieder Flut folgt. Auch wenn sie manchmal vom Rhythmus überrascht sind, es sie förmlich mitreißt ohne, dass sie Zeit zum Luft holen haben. Frauen über 40 haben gelernt, in diesen Momenten zu vertrauen, los zu lassen und gelassen zu bleiben.

Und wie das Wasser umspülen sie ihre Lieben, mal unbemerkt weich, trotzdem formend und mal mit sanftem Nachdruck. Jede von ihnen ihr eigener Ozean mit Stürmen, Seebeben und Flaute, glitzernden Tropfen in der Sonne, Wellenbrechern und schäumender Gischt. Frauen über 40 betören als Engel, verführen als Jägerin, sind liebevolle Mutterkühe auch ohne Kind und genießen ihre kraftvolle Weiblichkeit. Doch auch ihr innerer Racheengel, ihr Miststück ist ihnen bewusst. Jene, die nur aus den Fluten auftaucht, wenn Frauen über 40 nicht ihrem ureigenen Instinkt und Takt folgen. Dann könnte es passieren, dass ganze Schiffsarmadas in die Tiefe gezogen und Besatzungen den Fischen zum Fraß vorgeworfen werden.

Wie das Meer, so beruhigen sich Frauen über 40 auch wieder, nehmen Collateralschäden hin und versprechen sich innerlich, noch mehr auf sich und ihre Grenzen zu achten. Und schon zieht es sie weiter zu anderen Ufern, in neue Flußbetten und Stromschnellen, zu glutroten Sonnenuntergängen und silbrig reflektierendem Mondlicht auf der Wasseroberfläche.

Denn nichts genießen Frauen über 40 mehr, als im Fluß des Lebens zu sein.

Geht nicht, gibt’s nicht !

Geht nicht, gibt’s nicht !

Es war an einem schönen Tag im Jahr 2001, irgendwo zwischen Himmel und Erde.

Pünktlich um sechs Uhr morgens betrat der liebe Gott den kleinen Empfangssaal, um ein paar Neuzugänge zu begrüßen, ein halbes Dutzend Frauen und Männer, die mit gespannter Neugier auf ihn warteten. Sie alle waren in der vergangenen Nacht gestorben und sollten Rechenschaft ablegen über ihr Leben, beziehungsweise darüber, was sie aus ihrem Leben gemacht hatten.

*Nun ihr Lieben*, sprach der liebe Gott, *was habt ihr Gutes zu berichten ?*

Als Erster trat ein kleiner grauer Mann vor: *Ich habe meine Steuern immer pünktlich bezahlt, das Finanzamt hat sich nie über mich beklagt. Ich glaube, ich hätte ein Plätzchen im Himmel verdient.*

*Und ich*, meldete sich seine Nachbarin zu Wort, eine Frau mit dünnen Lippen und spitzer Nase, *ich habe mein Leben lang keinen Tropfen Alkohol angerührt und erst recht keine Männer. Ich will daraus zwar keine Ansprüche ableiten, aber…*

*Papperlapapp*, unterbrach sie ein dicker rotgesichtiger Mann. *Das Einzige, worauf es ankommt, ist Arbeit, Arbeit, Arbeit. Ich habe so schwer geschuftet, dass ich mit vierzig meinen ersten Herzinfarkt hatte. Wenn ich nicht in den Himmel komme, wer dann ?*

*Das werden wir später sehen*, sagte der liebe Gott, offenbar gar nicht zufrieden mit diesen Auskünften. *Zahlungsmoral, Entsagung, Arbeitseifer – soll das alles sein, was auf Eurem Grabstein steht ? Das ganze Ergebnis nach all den Jahren ? Wo bleibt das Glück ? Wo bleibt die Liebe ?* Da fiel sein Blick auf eine hochgewachsene Frau, deren Gesicht trotz tausend Falten ihre frühere Schönheit erkennen ließ. *Du warst doch verheiratet*, wandte Er sich an sie. *Wie war deine Ehe ?*

*Ach, Gott ja*, erwiderte sie mit einem Schulterzucken, *es gab sicher bessere Männer als meinen Walter, aber immerhin, er brachte das Geld nach Hause.*

*Nun ja, Elisabeth, du warst auch nicht das große Los*, brummte ihr Mann, ein älterer Herr an ihrer Seite, *aber immerhin, der Service hat geklappt. Es hätte schlimmer sein können*, schloss er mit einem Seufzer.

Da platzte dem lieben Gott der Kragen. *Gütiger Himmel !*, polterte Er. *Das ist ja nicht zum Aushalten ! Wozu habe ich Euch das Leben geschenkt ? Damit ihr Trübsal blast ? Euch mit dem Zweitbesten begnügt ? Eure Zeit totschlagt, statt sie zu nutzen und zu genießen ?*

Betroffen senkten die Neuankömmlinge die Köpfe. *Mehr war nicht drin, Chef*, maulte der dicke rotgesichtige Mann. *Außerdem*, assistierte ihm die Frau mit den dünnen Lippen, *seit wann lebt man zu seinem Vergnügen ?*

Der liebe Gott überhörte die Einwände. *Was soll Ich nur mit euch machen ?*, murmelte erund kraulte nachdenklich seinen Bart. Dann hellte sich plötzlich seine Miene auf. *Ich werde euch eine Aufgabe stellen. Wenn ihr die schafft, sollt ihr eine neue Chance bekommen.*

Aufgeregte Fragen wurden laut. *Eine Aufgabe ?* – *Haben wir nicht ein Leben lang genug geschuftet ?* – *Was für eine Aufgabe denn jetzt noch ?*

*Ich möchte, dass jeder von Euch einen Freudensprung macht. Ich möchte, dass ihr zehn Meter hoch springt !*

Jetzt schlug die Aufregung in Empörung um. *Zehn Meter ?* – *Unmöglich !* – *Nicht in unserem Alter !*

*Warum eigentlich nicht ?* Die Rufe verstummten, alle drehten sich zu einer Frau mit hellen blauen Augen herum, die bislang noch nicht gesprochen hatte. *Ich meine*, sagte sie, *wenn wir ein Trampolin hätten, könnten wir es schaffen.* *Ein Trampolin ?*, rief der kleine graue Herr. *Das wäre Betrug !* *Warum Betrug ?*, wollte die Frau mit den blauen Augen wissen. *Hat jemand gesagt, Hilfsmittel sind verboten ?* Sie hatte noch nicht ausgesprochen, da stand ein neues, große Trampolin in der Mitte des Saals. *Sehen Sie, man scheint nicts dagegen zu haben !*

*In der Tat, damit könnte es klappen*, sagte der rotgesichtige Mann und machte Anstalten, auf das Trampolin zu klettern. Doch plötzlich verharrte er in der Bewegung. *Mist ! Geht doch nicht ! Die Decke ist höchstens sechs Meter hoch.*

Alle Augen wanderten in die Höhe. *Stimmt*, sagte die Frau mit den blauen Augen. *Aber na und ? Dann müssen wir eben ein Loch in die Decke sprengen !*

*Ein Loch in die Decke ? Das wäre ja total bescheuert !*

*Bescheuert ? Vielleicht – aber nicht unmöglich !* Und wieder hatte die Frau mit den blauen Augen noch nicht ausgesprochen, als es in dem Gemäuer zu knacken und zu rucken begann. Im nächsten Moment barst die Decke entzwei, und sie schauten hinauf in den weiten, offenen Himmel. *Na los, worauf warten wir noch ?*

Die Frau mit den blauen Augen machte den Anfang, und es dauerte keine fünf Minuten, da hüpften alle zusammen auf dem Trampolin. Zehn Meter, zwanzig Meter, fünfzig Meter hoch – die Grenze war nur der Himmel.

*Na also*, sagte der liebe Gott. *Endlich habt ihr’s kapiert ! Geht nicht, gibt’s nicht !* Und mit einem zufriedenen Lächeln fügte er hinzu: *Zur Belohnung dürft ihr noch einmal leben. Aber diesmal richtig, wenn ich bitten darf !*

(Quelle: vollständig zitiert aus „Träume wagen !“, Autoren Thomas Baschab, Peter Prange)